Minimalismus & Boatlife – warum weniger Besitz für uns mehr Freiheit bedeutet

Die Idee, mit weniger Dingen im Leben auszukommen, hat mich bereits einige Zeit vor dem Wunsch, mit dem Boot die Welt zu bereisen, infiziert. Als wir irgendwann das dritte Buchregal in der Wohnung stehen hatten, fragte ich mich, warum wir das eigentlich gekauft hatten. Nur, um die Bücher, die wir schon gelesen hatten oder nie lesen werden, dort hineinzustellen? Oder Klamotten, die ich im Schrank hängen hatte. Ungetragen. Das verschwendet nicht nur Geld. Es verschwendet auch Energie.

Minimalismus: Die Anfänge vor dem Bootsleben

Energie, die man aufbringen muss, sich um die Dinge zu kümmern. Daher empfand ich bereits meine ersten »Entschlackungsaktionen« als extrem befreiend. Ausgemistet habe ich vor allem Kleidung und Bücher. Alles, was ich nicht wirklich nutzte, wurde verschenkt, verkauft oder gespendet. Übrig blieb immer noch genug Kram. Aber auch jede Menge Platz in unserer damaligen 74-Quadratmeter-Wohnung.

Zusammen mit dem Hinterfragen von unnötigem Besitz und Konsums kam ein weiterer Gedanke hinzu: Was, wenn man statt reich an Dingen, reich an Lebenszeit wäre. Mit weniger auskommen und bescheiden leben, dafür mehr Geld sparen. Nicht für noch mehr Konsum, sondern um irgendwann einmal davon davon zu leben. Im Englischen gibt es dafür eine Bewegung, die sich FIRE nennt. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass das perfekte Mindset für das Bootsleben war. Nur bis dahin dachte keiner von uns auch nur ansatzweise an so etwas Durchgeknalltes.

Nun wird es erst: Ausmisten für den Umzug aufs Boot

Als wir später begannen, uns radikal für das Bootsleben zu verkleinern, wurde das Reduzieren schwieriger. Auch Dinge, die vor allem emotionalen Wert hatten, standen jetzt auf dem Prüfstand. Gerade wenn Erinnerungen dran hängen, fällt das sehr schwer. Alte Fotos, Briefe, Kinderbücher. Letztendlich haben wir uns dennoch von fast allem getrennt. Denn mal Hand auf’s Herz: Wie oft blättert man schon in alten Kinderbüchern oder durch Fotoalben. Fotos habe ich digitalisiert, Bücher gespendet. Und nach dem ersten Schmerz, fühlte ich mich auch dann noch ein bisschen befreit.

Am Ende wurden auch noch einige Erbstücke und Möbel verkauft, die wir nicht mehr brauchten, weil wir ja nichts mehr aufzubewahren hatten. Nur ein paar wenige nahmen wir mit in unsere neue kleine Wohnung im Osten Deutschlands, die uns künftig als Homebase dient, wenn wir auf Heimaturlaub sind. Nach Köln zogen wir damals mit einem LKW. Nun passte alles in einen Kleintransporter.

Alles was wir an Bord brauchen, fuhren wir im Kofferraum unseres Volvos nach Holland. Und bei der Auswahl dieser Dinge zeigte sich einmal mehr, was man eigentlich nur verwaltet und was man wirklich braucht. Als all diese Dinge im Boot angekommen waren, glaubten wir zunächst nicht, dass wir das alles untergebracht bekommen. Aber unser kleines Bötchen ist auch in Sachen Stauraum ganz groß. Und wir haben immer noch Fächer, die leer sind. Und gerade das beruhigt mich ungemein. Vor allem wenn die uns aufgestellte Regel – wenn etwas dazukommt, muss etwas anderes gehen – mal wieder gebrochen wird.

Minimalismus an Land versus Boot

Was wir seit dem Boatlife versuchen: Multifunktionale Dinge anzuschaffen. Und wir achten verstärkt auf Qualität. Lieber nicht das billigste Werkzeug, denn das geht einem genau dann kaputt, wenn man es dringend braucht. Und wir achten auch mehr auf Qualität, besonders bei Kleidung und Küchentools. Denn wenn die Dinge langlebiger sind, muss man weniger oft Zeit damit vertun, neue zu finden und zu kaufen.

Auf dem Boot bedeutet minimalistisch zu leben auch, dass man Ressourcen möglichst sparsam einsetzt. Zumindest war und ist das unser Ansatz. Auch wenn es heutzutage mit hocheffizienten Solarpanels und Wassermachern möglich ist, quasi einen unbegrenzten Vorrat an Strom und Wasser zu haben. Es macht es für uns Sinn, den eigenen Ressourcenverbrauch im Blick zu haben. Nicht nur, weil es unserem Planeten weniger schadet, sondern auch, weil diese Dinge wieder Zeit und Geld in Anschaffung und eben auch Zeit für Wartung kosten. Und sie brauchen Platz an Bord. Mit einem kleinen Boot muss man einfach jede Anschaffung dreimal hinterfragen und sich im Zweifel damit abfinden, dass man etwas eben mal nicht hat.

3 Dinge, die sich (bisher) als unnötig entpuppt haben:

  • Nähmaschine
  • Playstation
  • Spiegelreflexkamera

3 Dinge, die wir wieder mitnehmen würden

  • Schlittschuhe
  • Gitarre
  • Airfryer

3 Dinge, die wir machmal vermissen

  • Klappräder
  • Gefrierbox
  • Kanus

Auch ohne das Bootsleben lohnt es sich, über den eigenen Konsum kritisch nachzudenken. Die 1-Teil-rein-1-Teil-raus-Regel oder das Bevorzugen multifunktionaler Teile bewahrt einen auch beim Landleben davor, Geld zu verschwenden oder unnötig Dinge anzuschaffen.

Bei Amazon bestellenBei Thalia bestellen

Buchtipp: Auch wenn ich einiges an der Herangehensweise der »Aufräum-Ikone« ein wenig merkwürdig fand, z. B. den Dank an Dinge, die man wegwirft, hat mich das Buch schnell für das rigorose Ausmisten begeistert. Natürlich nicht für den Prozess selbst, sondern für das entspannte Leben mit weniger Zeugs, des Loswerdens von unnötigem Ballast.

Minimalismus & Freiheit – unser Fazit

Es gibt nicht wirklich viele Dinge, die wir vermissen, wenn wir an Bord und nicht an Land leben. Neben Fahrrädern ist es manchmal der Luxus einer eigenen Waschmaschine oder einer Spülmaschine. Aber dafür erhalten wir soviel zurück: Einen Vorgarten, den wir uns frei aussuchen können. Mal ist es die Großstadt mit all ihren Annehmlichkeiten, mal unberührte Natur. Und nicht zuletzt Zeit, beides zu genießen.

Affiliate-Hinweis: Diese Seite enthält Affiliate-Links. Wenn du über diese Links einkaufst, erhalten wir eine kleine Provision, ohne dass dir dadurch zusätzliche Kosten entstehen. Vielen Dank für deine Unterstützung!