Segeln übt auf viele Menschen eine besondere Faszination aus. Freiheit, Natur, Entschleunigung – und das gute Gefühl, ein Boot nur mit Windkraft zu bewegen.
Doch wer sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt, stößt schnell auf eine zentrale Frage: Welche Segelscheine brauche ich eigentlich zum segeln lernen – und womit sollte ich anfangen?
Die kurze Antwort: Es kommt darauf an, wo, wie und mit welchem Ziel du segeln möchtest. Die längere, hilfreiche Antwort findest du in diesem Artikel.

Segeln lernen – Theorie, Praxis und Realität
Eins ist klar: Segeln lernt man nicht in einem Crash-Kurs oder aus Büchern. Praxis auf dem Wasser ist durch nichts zu ersetzen. Unser Segellehrer sagte nach der Prüfung: Jetzt habt ihr die Lizenz zum Üben. Trotzdem spielen Segelscheine eine wichtige Rolle – sei es aus rechtlichen Gründen, für Charterfirmen oder für die eigene Sicherheit.
Grundsätzlich gilt:
- Segeln lernen ≠ Scheine sammeln
- Praxis + Grundwissen sind wichtiger als möglichst viele Zertifikate
- Manche Scheine sind Pflicht, andere freiwillig, aber sinnvoll
Welche Segelscheine gibt es? Ein Überblick
Sportbootführerschein See (SBF See)
Der Sportbootführerschein See ist der wichtigste Einstiegsschein für das Segeln auf dem Meer.
- Amtlicher Führerschein in Deutschland
- Pflicht zum Führen von motorisierten Sportbooten mit mehr als 15 PS auf Seeschifffahrtsstraßen
Ist er fürs Segeln Pflicht?
- Rein rechtlich: Nein, solange kein Motor benutzt wird.
- In der Praxis: Ja, fast immer, da rund 99 % der Boote, die man auf See fährt, Motoren haben.
Für wen sinnvoll?
- Für alle, die auf dem Meer segeln wollen.
- Um erste Kenntnisse über Wetter, Navigation und Seefahrtsrecht zu erlernen.
- Im Kurs werden insbesondere sicherheitsrelevante Dinge vermittelt, u. a. Manöver zur Rettung.
Empfehlung: Wer segeln erst lernen will, sollte den SBF Binnen oder den SKS in Betracht ziehen. Denn der SBF See ist ein reiner Motorbootschein. Segeln lernt man dabei nicht.
Sportbootführerschein Binnen (SBF Binnen)

Der SBF Binnen gilt für Binnengewässer wie Flüsse und Seen. Auf manchen Seen ist der Schein auch vorgeschrieben, wenn das Boot ein reines Segelboot ist.
Wann braucht man ihn?
- Beim Segeln auf Binnenseen oder Flüssen
- Bei Motorbooten auf Binnengewässern
Ist er notwendig?
- Für reine Hochsee- oder Mittelmeersegler oft nicht zwingend.
- Für Segeln in Deutschland (z. B. Bodensee, Müritz) durchaus relevant.
Empfehlung: Für alle, die vielleicht nicht gleich das Meer vor der Haustür haben, ist der SBF Binnen ein guter Anfang, um schnell aufs Wasser zu kommen. Und das Jollensegeln hilft beim Verständnis der Physik hinter dem Segeln.
Sportküstenschifferschein (SKS)
Der SKS ist ein freiwilliger, aber sehr verbreiteter Segelschein.
Was zeichnet ihn aus?
- Kombination aus Theorie und Praxis
- Seemannschaft, Navigation, Wetter, Sicherheit
- Wird von vielen Charterfirmen gern gesehen
Pflicht oder Kür?
- Nicht gesetzlich vorgeschrieben
- In der Charterpraxis oft ein Vorteil
Für viele ist der SKS der „erste richtige Segelschein“, denn beim SBF See wird nur unter Motor gefahren. Der SKS bringt Sicherheit und Selbstvertrauen beim Führen eines Segelbootes (Segelyacht). Wir haben keinen SKS.
SSS & SHS – für Fortgeschrittene
Diese Scheine richten sich an ambitionierte Segler mit viel Erfahrung.
- SSS (Sportseeschifferschein): Für anspruchsvollere Reviere
- SHS (Sporthochseeschifferschein): Für weltweite Fahrt
Für Einsteiger sind sie nicht notwendig – und oft erst nach Jahren Praxiserfahrung sinnvoll.
Welche Bücher sind für die Segelscheine empfehlenswert?


Es gibt Schulen, die geben vor, welche Bücher man kaufen soll. Bei uns war das beim SBF See nicht der Fall. Da wir schon wussten, dass wir den Stoff des SKS zumindest auch wissen wollten, wenn wir den Schein selber schon nicht machen, haben wir uns das Kombibuch gekauft.
Besonders gut fand ich auch das Extrabuch mit den Übungsaufgaben für beide Scheine und Kartenausschnitte für den SBF See, wie sie bei der Prüfung dabei sind.
Die stehen auch immer noch in unserem Bücherschapp.

In welcher Reihenfolge sollte man die Segelscheine machen?
Eine sinnvolle Reihenfolge sieht für viele so aus:
- Erste Segelerfahrung sammeln
- Segelkurs, Mitsegeln, Segelvereine
- Sportbootführerschein See
- Rechtliche Grundlage & Sicherheit
- Praxis vertiefen
- Törns, Übung, Verantwortung übernehmen
- SKS (optional)
- Wenn du tiefer einsteigen oder chartern willst
Wichtig: Segeln lernt man nicht durch Scheine, sondern durch Zeit auf dem Wasser.
Segeln ohne Schein – geht das überhaupt?
Diese Frage wird extrem häufig gestellt – und die Antwort ist wie oft »Jein«.
Rechtlich:
- Segeln ohne Motor ist in vielen Ländern erlaubt.
- Sobald ein Motor genutzt wird, gelten Führerscheinpflichten.
Praktisch:
- Charterfirmen verlangen fast immer einen Nachweis.
- Versicherungen schauen im Schadensfall genau hin.
Fazit:
Ja, Segeln ohne Schein ist theoretisch möglich – aber nur eingeschränkt sinnvoll.
Was kostet es, Segeln zu lernen?
Die Kosten variieren stark, grob kannst du rechnen mit:
- SBF See: ca. 400 bis 700 €
- SBF Binnen: ca. 500 bis 1.000 €
- SKS: ca. 1.000 bis 1.500 €
- Praxistörns: abhängig von Dauer & Revier
Günstiger wird es durch:
- Vereinssegeln
- Mitsegel-Gelegenheiten
- Lernen in Etappen statt alles auf einmal
Unsere Segel-Ausbildung: In drei Jahren vom Rursee aufs IJsselmeer
Wir haben 2017 zuerst den SBF Binnen mit einem sehr ausführlichen Segelkurs gemacht. Dafür hatten wir im Juni 2017 eine Woche bei einer Segelschule am Rursee (nahe Köln) gebucht und waren dabei mit 5-Meter-Jollen das erste Mal unterwegs.

Den Rest des Jahres sind wir dann noch mehrmals mit den Jollen der Segelschule gesegelt. In einer Jolle lernt man die Physik hinter dem Segeln sehr gut, da das Boot direkt/schnell reagiert. Und auch, wenn wir dafür etwas mehr Zeit bis zum Meer gebraucht haben, wir fanden die Zeit auf dem See mit den Jollen und unserem eigenen Boot sehr spannend.



Den SBF See haben wir im Winter 2017/18 in einer Segelschule in Köln gemacht. Unsere Fahrpraxis absolvierten wir im Hafenbecken vom Rheinauhafen. Schon das zeigt, dass dieser Schein nicht mehr als ein Übungsschein ist. Da wir den SBF Binnen hatten, waren wir damals die einzigen, die hätten auf den Rhein hinausfahren dürfen.

Zu der Zeit hatten wir dann schon unser erstes Boot MOYA (Dehler Varianta 65) gekauft. Über den Winter haben wir es wieder schön gemacht und danach bis 2019 den Rursee unsicher gemacht. Kurz vor Corona hatten wir dann unsere TIAMAT gefunden und gekauft. Nachdem die Reisebeschränkungen 2020 wieder gelockert wurden, fuhren wir zum ersten Mal mit unserem neuen Zuhause raus aufs IJsselmeer.
Segeln lernen ist ein Prozess
Ob du vom Leben an Bord träumst, nur im Urlaub segeln willst oder langfristig unterwegs sein möchtest: Segeln lernen bedeutet, ständig weiterzulernen – auch nach dem letzten Schein. Und genau das macht für uns den Reiz aus.

