Das erste Wochenende auf unserem Segelboot war ungewohnt und aufregend. Besonders an das Kochen mit Gas mussten wir uns erst gewöhnen. Außerdem fehlte es an Geschirr und Kochutensilien. Würden wir in dieser kleinen Küche je genug unterbringen, um anständig kochen zu können?
Es stellte sich heraus: Das geht sogar sehr gut. Denn so viele Dinge braucht es gar nicht und mit etwas Übung kochten wir im Dezember 2022 unser erstes Weihnachtsmenü auf einem einzigen Induktionskochfeld.
Unsere Pantry
Wir haben in unserer U-förmigen Pantry einen großen Spülenschrank mit Doppelspüle, einen Gasherd und einen großen Kühlschrank. Das ist ein sehr praktisches Layout, auch auf See. Der Spülenschrank bietet genug Platz für die Dinge, die wir zum oft zum Kochen brauchen (Gewürze, Backzutaten etc.) sowie für einige Lebensmittel (Haferflocken, Brot, Nüsse). Alles passt hier nicht hinein, daher haben wir zusätzlichen Platz für die Lagerung von Grundzutaten wie Nudeln, Reis, Haferflocken in einer zusätzlichen luftdichten Vorratsbox.
Unser Kühlschrank hat ungefähr 350 Liter. Das ist mehr als wir je in unserer Wohnung je hatten. Er lässt sich von oben aufmachen, sodass die kalte Luft drin bleibt beim Öffnen. Leider ist er nicht wirklich gut isoliert, was ihn zu einem großen Stromfresser macht.
Seegang und Krängung
An Bord eines Schiffes muss alles halbwegs bruchsicher sein und/oder gut verstaut. Viele unserer Küchenutensilien sind daher aus Metall oder – wenn es sich nicht vermeiden lässt – Plastik. Als Geschirr verwenden wir Corelle® (eine Marke aus den USA für haltbares Glasgeschirr). Das hat unsere drei Jahre Boatlife komplett schadlos überstanden. Wir verwenden bewusst kein Plastik-Bootsgeschirr, da dieses in der Regel Melamin enthält – ein Stoff, der im Verdacht steht, krebsauslösend zu sein. Aus diesem Grund ist für uns auch Bambus-Geschirr keine Alternative.

Corelle® Geschirr »Ocean Blue«
Sehr robust und frei von Plastik: Corelle® Geschirr. Wer kein Marken-Corelle® haben möchte, kann auch zu Glasgeschirr von IKEA greifen, das ist eine gute und kostengünstige Alternative.
Um auf See kochen zu können, muss der Herd kardanisch aufgehängt sein, sodass das Kochfeld auch bei starker Schräglage immer waagerecht bleibt. Das U der Pantry ist gut geeignet, um sich auf See darin zu verkeilen und so halbwegs sicheren Stand zu haben. Am Herd ist zudem noch rechts und links eine Öse, um sich einzupicken. Aber ganz ehrlich: Bei solch widrigen Bedingungen haben wir noch nie kochen müssen.
Platzmangel
Wie in vielen anderen Dingen, gilt auch bei der Ausstattung der Bordküche: Weniger ist mehr. Unser Airfryer wäre eigentlich nicht unbedingt nötig. Aber die Pommes, die man darin macht, sind einfach zu gut. Um Welten besser, als wir das mit dem Gasofen hinbekommen würden. Dummerweise passt der in keinen unserer Schränke. Wir verkeilen ihn während wir unterwegs sind, sodass zumindest gewöhnlicher Wellengang kein Problem ist.
3 Dinge, die sich (bisher) als unnötig entpuppt haben:
- Knoblauchpresse (wir schneiden den immer)
- Sprossenglas (leider braucht es zum Aufziehen zu viel Wasser zum täglichen Spülen)
- Espresso-Kanne (wir nutzen immer unsere French press)
3 Dinge, die wir wieder mitnehmen würden:
- Stabmixer
- Wasserkocher
- IKEA-Induktionsfeld
3 Dinge, die wir machmal vermissen:
- Moulinette
- Gefrierbox
- Waffeleisen
Begrenzte Ressourcen
Auf dem Boot sind Ressourcen in der Regel nicht unbegrenzt verfügbar. Wer keinen Wassermacher hat, hat nicht unendlich viel Süßwasser dabei. Wer mit Gas kocht, der hat so wie wir maximal zwei Flaschen an Bord. Und auch Strom ist, außer man sorgt für ausreichend Nachschub oder ist komplett autark ausgerüstet, nur in begrenztem Rahmen verfügbar. Es gilt also mit diesen Ressourcen sparsam umzugehen.
➡️ Unser Artikel über Ressourcen an Bord. (kommt bald!)
Unsere Bordküche – Setup & Basics
Herd & Energie

Wir haben (noch) einen Gasherd und 2 Gasflaschen à 10 Liter an Bord. Die Idee einen Diesel- oder Petroliumkocher anzuschaffen, haben wir verworfen. Die einzige sinnvolle Alternative erscheint aus unserer Sicht das (voll-)elektrische Kochen. Hierfür sind wir aber nicht ausgerüstet.
Mit Gas kochen wir immer, wenn wir keinen Landstrom haben, also unterwegs und vor Anker. Im Hafen nutzen wir unser IKEA-Induktionskochfeld. Da wir gerade in Skandinavien viel in Häfen liegen, reicht eine Gasflasche fast 2 Saisons. Wichtig ist, die Gasinstallation regelmäßig prüfen zu lassen.
Kühlung & Vorräte
Unser Kühlschrank ist ziemlich groß. Aber ein Gefrierfach hat er leider nicht. Wir haben immer mal wieder überlegt, ob wir eine Gefrierbox kaufen sollen, aber wir haben das immer wieder verworfen: zu viel Strombedarf, keinen idealen (seesicheren) Platz. Wir würden gern einige Lebensmittel einfrieren, z. B. Kräuter, Gemüse oder Brot, aber dafür muss dann die Gefrierbox schon eine gewisse Größe haben, die eben nicht passt.
Einfache Gerichte für Seegang
Sind wir, was eher die Ausnahme ist, mal über Nacht oder mehrere Tage unterwegs, bereiten wir uns unser warmes Abendessen am Vortag vor. Aufwärmen ist meistens kein Problem unterwegs. Und ein Frühstück aus Müsli oder ein paar Brote oder ein Snack zwischendurch bekommt man auch bei ungemütlichen Bedingungen noch hin. Aus unserer Sicht besonders geeignet sind dickflüssige One-Pot-Gerichte mit Pasta oder Reis. Da kleckert beim Aufwärmen so leicht nichts.

Sind die Bedingungen wirklich richtig rau, gibt es nur Snacks unterwegs. Unser Lieblingssnack: Digestiv-Kekse, bei uns auch »Segel-Kekse« genannt. Die sind nicht übermäßig süss und beruhigen den Magen. Die werden auch direkt vor dem Ablegen in einer Picknicktasche Ins Cockpit gebracht, zusammen mit Getränken.
➡️ Unser Artikel über unsere liebsten One-Pot-Gerichte (kommt bald!)
Vorratshaltung an Bord
Ein paar Basics haben wir immer in größerer Menge an Bord:
- haltbare Grundnahrungsmittel: Reis, Nudeln, Couscous etc.
- Eiweißlieferanten in trockener Form: Linsen (rote, grüne und Belugalinsen), Sojaprotein (TVP).
- Konserven (am liebsten in Tetrapacs): Kichererbsen, Bohnen, Tomaten.
- Grundzutaten um daraus und ein paar frischen Zutaten etwas Leckeres zu zaubern: Kokosmilch, Sahne, Pesto etc.
Damit kommt man schon ein paar Tage hin. Nicht nur auf einem Boot.
Bisher war es vor allem in Norwegen und den Åland so, das es keinen (wenn auch kleinen) Lebensmittelladen in der Nähe gab. Von den Lofoten kamen wir tatsächlich mal mit fast leerem Vorratsschrank zurück.

Bordküche ist mehr als Kochen
Uns ist das gemeinsame Essen und Kochen sehr wichtig. Wir kochen beide gern und wechseln uns ab. Ob unsere Pantry in dem kleinen Boot alltagstauglich sein wird, wussten wir anfangs nicht. Doch nach ein paar Jahren können wir aber sagen: ja, ist sie. Und es macht unser kleines schwimmendes Zuhause erst komplett.
Die erfahrene Seglerin und Autorin Beth Leonard hat viel Nützliches in ihrem Handbuch zusammengestellt, das bei uns einen festen Platz in der Bord-Bibliothek hat. Wir haben einiges aus diesem Buch gelernt.

