Schweden von Ystad über Öland nach Visby – Törnbericht Mai 2024

🧭 Factsheet

Route: Von Ystad nach Visby
Zeitraum: 5. bis 29. Mai 2024
Logge: 265 Seemeilen
Hafentage: 17
Ankertage: 0
Highlight: Utklippan


📍 Unsere Route & Etappen

Etappe 1: Ystad → Simrishamn

Mit traumhaften Windbedingungen, Sonne und vollen Segeln rauschen wir mit unserem frisch geschrubbten Unterwasserschiff mit durchschnittlichen fünfeinhalb Knoten und in Spitze über sieben mit Kurs Simrishamn. Vorbei geht es an Ales Stenar, der Schiffssetzung nahe Ystad (Käseberga). Man kann sie vom Wasser aus gut erkennen, so groß ist sie. Da wir mitunter um die 20 Knoten in Böen haben, halsen wir nicht um das Kap, sondern fahren eine Q-Wende. Funktioniert noch, wir haben über den langen Winter nicht allzu viel verlernt.

Simrishamn war nicht so wirklich nach unserem Geschmack. Komische Gemeinschaftsduschen ohne Vorhänge und der Ort war leider noch wie ausgestorben. Dafür haben wir hier zum ersten Mal Polarlichter über TIAMAT gehabt. Und eine nette Bekanntschaft gemacht: Wir schnacken lange mit dem Paar aus Kiel, die mit ihrer STINA ebenfalls Richtung Norden wollen. Wir werden uns eine Weile öfter wieder treffen.

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Etappe 2: Simrishamn → Hanö

Die 30 Meilen über die Hanöbucht legen wir bei feinstem Sommerwetter zurück. Ganz ohne Wollunterwäsche zum ersten Mal 2024. Es ist warm, wolkenlos und ja, kein Wind von achtern. Wir versuchen unser Glück mit dem Halbwinder (Gennaker) und schaffen wenigstens ein paar Meilen. Direkt nach dem Festmachen treffen wir die nette Hafenmeisterin und erhalten im Schnelldurchlauf eine Inselbeschreibung. Wir machen uns auf den Weg und erkunden die Insel. Von den hier lebenden 200 Damhirschen sehen wir gerade mal zehn.

Etappe 3: Hanö → Karlskrona

Hoch am Wind unter Groß und beiden Vorsegeln geht es Richtung Karlskrona. Da ist TIAMAT leider nicht wirklich schnell, erst recht nicht bei eher leichten Winden. Wir kommen nur mit dreieinhalb Knoten voran. Unser Zwischenstopp in Ronneby (Ekenäs) wird ein bisschen zum Alptraum, da wir uns an einer Flachstelle festfahren. Mit viel Gas kommen wir aber wieder alleine frei. Am nächsten Tag fahren wir weiter nach Karlskrona. Im Gegensatz zur eher nicht so superhübschen Stadt ist der Hafen absolut perfekt. Alles inklusive und megasauber.

Etappe 4: Karlskrona →Kalmar

Nach drei Tagen steht der Wind gut, um aus der Hanöbucht Richtung Karlskrona zu segeln. Als Leuchtturmverliebte zieht es mich nach Utklippan. Es ist ein wunderschöner Tag mit 13 Knoten Wind aus Nordost segeln wir zu der kleinen Insel. Der kleine Nothafen bietet keinen Komfort, hat aber Charme. Mit kleinen Ruderbooten kann man zur anderen Schäre rudern und sich den Leuchtturm ansehen. Die nistenden Vögel auf Utklippan finden uns nervig, wir versuchen sie nicht zu arg zu stören.

Am nächsten Tag soll es weitergehen. Es ist Flaute, glatte See, Sonnenschein. Wir finden unterwegs irgendwie keinen Hafen so richtig gut und motoren 50 Meilen bis Kalmar. Wir entscheiden uns für den sehr flachen, engen Hafen direkt gegenüber vom Schloss. Neben der schönen Aussicht treffen wir hier auch das erste Mal auf unsere künftigen Nachbarn im schwedischen Winterquartier. Helèn und Pertti mit ihrer FIONA liegen neben uns und wir kommen ins Gespräch. Sie leben auch an Bord und so hat man viel zu reden und viele Gemeinsamkeiten.

Etappe 5: Kalmar→Borgholm

Mit einem Zwischenstopp in einer Ankerbucht bei Stora Mäsö geht es ein paar Tage später weiter in das kleine hübsche Örtchen Borgholm auf Öland. Uns hat es hier wirklich gut gefallen. Wir besichtigen den Ort und das Borgholms slott, wenn auch nicht von innen, denn die 12 € Eintritt waren uns zu happig.

Etappe 5: Borgholm →Byxelkrok

Wir warten zwei Tage in Borgholm auf den richtigen Wind und genießen dann einen herrlichen Segeltag mit Traumbedingungen im Kalmarsund. Sonne, 5-10 Knoten östlicher Wind, also mit Halbwindkurs. Die rund 30 Meilen an die Spitze Ölands schaffen wir so in sechs Stunden. Die relativ neue Marina in Byxelkrok bietet viel Platz und hat eine schöne Umgebung. Abends läuft dann noch unser ehemaliger Nachbar aus Lelystad ein. Wir plauschen ein paar Stündchen mit den beiden und üben so endlich mal wieder Niederländisch.

Etappe 6: Byxelkrok → Visby

Auch hier müssen wir wieder eine ganze Weile auf den richtigen Wind warten. Die knapp 50 Meilen nach Gotland wollen wir auf jeden Fall segeln. Wir nehmen uns frei und fahren am 29. Mai los. Der morgens noch schwache Wind nimmt später zu und wir schaffen erst mit dem Gennaker später mit Genua und Fock wieder gute 5 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit. Mit unserem neuen Handydock legen wir stressfrei im Hafen von Visby an. Wir wollen bis Ende Mai hier bleiben.

🗺️ Besondere Erlebnisse & Learnings

  • Wir fahren uns fest, weil Tommy die zwei Südtonnen im Hafen Ekenäs versehentlich nördlich umfährt. Er bekommt von mir noch mal einen Crashkurs in Sachen Kardinalsbetonnung und wir stellen künftig unser Navionics auf nach Norden ausgerichtete Anzeige ein.
  • Wir verwenden zum ersten Mal unseren schicken Treppenfender um vom Bugspriet auf den Steg zu kommen. Beim Anlegen und Runterklettern wär ich fast im Wasser gelandet.
  • Wir segeln zum ersten Mal mit unserem Halbwinder.
  • Im engen Hafen von Kalmar sorgen wir für Hafenkino an der Heckboje. Ein Nachbar empfiehlt uns den Handydock Bootshaken, den wir direkt am nächsten Tag im Bootsausrüster am Hafen kaufen.

⚓ Unser Lieblingsort dieses Törns

  • Visby bzw. Gotland

💡 Praktische Tipps für Nachsegler

  • In den beiden Häfen Simrishamn und Ystad gibt es Aushänge zu den Zeiten, in denen man die beiden Schießgebiete nicht befahren darf.
  • Wer so um die 1,50 m Tiefgang hat, sollte den kleinen Hafen am Schloss besuchen. Die Zufahrt ist schon spektakulär und die Aussicht dann noch besser.

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