Schweden im Göta-Kanal von Mem nach Sjötorp – Törnbericht September 2024

🧭 Factsheet

Route: Von Vattenholmen nach Sjötorp (Vänernsee)
Zeitraum: 1. bis 10. September 2024
Logge: 135 (See-)Meilen
Hafentage: 1
Ankertage: 0
Highlight: Schleusentreppe in Berg


📍 Unsere Route & Etappen

Etappe 1: Vattenholmen → Mem

Nun müssen wir uns von der Ostsee verabschieden. Wir machen noch einmal einen Ankerstopp in Långnäset und einen in der Marina von Stegeborg, wo wir noch einen Tag bleiben und uns die Burg anschauen und tanken, dann geht es nach Mem. Am Freitag, den 6. September beginnt unsere fünftägige Expressfahrt durch den Göta Kanal.

In der Vor- und Nachsaison kann man den Kanal nur in organisierten Konvois befahren, nicht mehr individuell. Das Timing und die fünf Tagesetappen sind durchorganisiert. Das Fahren ein Nine-to-Five-Job. Daher haben wir wieder Urlaub genommen. Inklusive aller Liegegebühren haben wir 500 € für 11 Meter gezahlt.

Am Tag vorher bereiten wir Fender und Leinen vor und bringen schon mal alles an bzw. legen es raus. Am nächsten Tag soll es früh losgehen. Wir wollen keinesfalls direkt negativ auffallen 😉

Etappe 2: Göta Kanal Abschnitt Mem → Berg

Der Check-in am Morgen erstmal entspannt. Wir bekommen unsere Tickets und Zugangskarten für die Servicegebäude unterwegs. Wir sind nur eine Handvoll kleiner Boote und ein riesengroßer schwedischer Kat, der gerade noch so in die Schleuse passt. Die Schleusenwärter, die uns auf der ersten Hälfte begleiten, sind sehr nett und geben uns noch ein paar gute Tipps. Wenn mal irgendwo eine Leine festhängt, greifen sie auch zu. Aber normalerweise muss man sein Boot alleine im Griff haben. Es gibt keine Helfer mehr in den Schleusen, wie während der Hochsaison.

Start in den Göta kanal: Unser Inland-Schweden-Abenteuer beginnt!

Um 9 Uhr geht es los. Ein bisschen aufgeregt sind wir schon. In der ersten Schleuse in Mem lief es dann alles gut, eine einfache Schleuse, genau richtig zum Üben. Unser Plan und das vorher durchdachte Manöver klappt auch gut. Wir schleusen erstmal nur aufwärts, was wegen der starken Strömungen in der Schleuse anstrengender ist. Auch das Leinenhandling ist etwas komplexer: Einer muss immer vor der Schleuse an Land gehen, die Leinen hoch tragen und auf die Ösen legen. Die Vorleine muss lang sein, sodass man sie nach hinten auf die Winsch führen kann. Damit lässt sich die Leine während des Steigens des Wasserpegels in der Kammer gut dichtholen. Die Achterleine bleibt belegt und bleibt so.

Am ersten Tag schleusen wir insgesamt 15 mal und queren 9 Brücken. Am Ende kaufen wir in Norsholm fürs Abendessen ein und überqueren den Roxensee. Von der Ostsee trennen uns jetzt schon 33 Höhenmeter. Ein Fender hat den Tag leider nicht überlebt. Wir übernachten vor der Schleusentreppe in Berg (Bergs slussar).

Etappe 3: Göta Kanal Abschnitt Berg → Borenshult

Heute erklimmen wir die Schleusentreppe Berg. Schon am Abend haben wir uns das Bauwerk in Ruhe angeschaut. Tagsüber hat man leider dafür keine Zeit. Da ist alles drchgetaktet. Sehr beeindruckend was Baltzar von Platen, der im 19. Jahrhundert den Göta Kanal plante, hier geleistet hat. Mit elf Stufen überwindet man so fast 20 Meter. Am nächsten Morgen geht es wieder pünktlich um 9 Uhr los. Statt den Motor nach jeder der Kammern wieder anzuwerfen, ziehe ich TIAMAT einfach mit den Leinen in die nächste Kammer. Wir haben keinen Wind, da geht das gut auch so.

Insgesamt waren es heute 16 Schleusen, 10 Brücken und 2 Aquädukte. Ganze 40 Meter Höhendifferenz. Dass der Hafen in Borenshult keine Dusche hat, fanden wir richtig blöd. Aber in dieser Expresstour kann man sich das leider nicht aussuchen

Etappe 4: Göta Kanal Abschnitt Borenshult →Forsvik

Auch Tag drei beginnen wir mit einer Schleusentreppe. Die in Borenshult hat fünf Kammern und überwindet rund 15 Meter. Wir haben auch heute wieder Glück und wunderschönes spätsommerliches Wetter. Den wunderschönen Vättern können wir sogar segelnd überqueren. Es ist nur wenig Wind, also kommt mal wieder der Halbwinder zum Einsatz. Dafür nutzen wir unseren Telefonjoker und fragen erfahrene Segelfreunde um Rat, denn irgendwie war das Segel nie ganz aufzubekommen, der Bergeschlauch ging nicht ganz nach oben. Auf der anderen Seeseite in Karlsborg warten wir dann noch auf die geplante Brückenöffnung und gönnen uns noch ein leckeres schwedisches Softeis. Nach einer kurzen Kanalfahrt landen wir in unserem Übernachtungshafen Forsvik.

Zur Schleusentreppe kommen noch 5 weitere Einzel- bzw. Doppelschleusen, mit denen wir noch einmal insgesamt 15 Meter bergauf fahren. Dazu kommen noch 8 Brücken. Eine davon war so schön grün angestrichen, dass wir sie beinahe übersehen und reingefahren wären.

Etappe 5: Göta Kanal Abschnitt Forsvik→Töreboda

Heute erreichen wir den höchsten Punkt: den Vikensee. Der liegt 91,8 Meter über dem Meeresspiegel. Während wir die vorherigen Tage vergleichsweise schönes Wetter hatten, ist es heute schon bedeckt und der Wind hat aufgefrischt. Morgen soll es noch windiger werden. Die letzte Bergauf-Schleuse in Forsvik ist auch die älteste des Kanals.

Ab jetzt geht’s wieder runter. Heute waren es 2 Schleusen und 9 Brücken. Wir sind in Forsvik erst 3 Meter hoch und später 20 cm wieder runter geklettert. Wir haben ein bisschen Bammel vorm letzten Tag. 25 Knoten sind angesagt. Natürlich schön von der Seite.

Etappe 6: Göta Kanal Abschnitt Töreboda → Sjötorp

Hätten wir es uns aussuchen können, wir hätten heute einen Hafentag gemacht. Der Wind pfeift schon morgens gut in dem Wanten. Aber wenigstens die Sonne scheint, sagen wir uns zwischendurch immer. Und wir müssen nicht mehr bergauf. Und sind alleine in der Schleuse. Aber gut, auch mal wieder die Komfortzone zu verlassen.

In den Schleusen war ich immer froh, sobald das Boot anfängt abzusinken, da es dann weniger Windangriffsfläche hatte. Wir hätten vielleicht eher die Leeseite nehmen sollen, wo uns der Wind beim Anlegen hilft und wo das Boot nicht so stark an den Leinen zieht. Aber wir hatten alles an der Schokoladenseite vorbereitet und dachten uns: Wird schon gutgehen. Ging es auch.

An einer Stelle war es wirklich haarig: Keine Baumallee, freies Feld und der Kanal macht fast eine 90-Grad-Kurve. Da haben die Fender gut geächzt. Aber alles ist heil, als wir in Sjötorp in unserer Box ankommen und erstmal ein kaltes Bier trinken.

Die letzte Etappe hatte 19 Schleusen und 11 Brücken. Zum großen Vänernsee sind wir knapp 48 Meter heruntergeklettert.

Wir mochten die Kanalfahrt, auch wenn in der Nachsaison vieles schon geschlossen war und etwas verlassen wirkte. Dafür hatten wir keinen Stress mit anderen Booten in den Schleusen und vollen Häfen. Für 2026 planen wir den Caledonian canal in Schottland. Wir sind auf den Geschmack gekommen. Aber erstmal geht es noch durch den Trollhätte-Kanal nach Göteborg.

🗺️ Besondere Erlebnisse & Learnings

  • Wir wurden 58 mal geschleust. Während wir in Holland immer noch ein bisschen Respekt davor hatten, haben wir nach dem Götakanal Routine.
  • Statt „Scheidungskanal“ treffen wir hier unseren Entschluss, zu heiraten. Was kann denn jetzt noch schiefgehen 😂

⚓ Unser Lieblingsort dieses Törns

  • Vänernsee

💡 Praktische Tipps für Nachsegler

  • Auf der Götakanal-Webseite kann man sich das Schleusenmanöver schon einmal genau anschauen.
  • Solltet ihr es nicht haben, dann besorgt euch vorher noch ein Fenderbrett oder bastelt eines aus Leisten. Im Trollhätte-Kanal braucht man das unbedingt.

🖼️ Galerie