Von Norwegen nach Shetland – Nordseeüberquerung im Mai 2026

🧭 Factsheet

Route: Von Fedje nach Lerwick
Zeitraum: 17. bis 18. Mai 2026
Logge: 185 Seemeilen
Highlights: Mit Kanonensalut in Fedje abgelegt, Ölplattformen-Slalom, zum ersten Mal einklarieren


📍 Unsere Route

Vorbereitungen

Lange hatten wir auf ein wirklich gutes Wetterfenster gewartet. Denn wir wussten noch vom Frühjahr 2023: Die Nordsee ist noch sehr launisch um diese Zeit. Wir wollten am besten südliche Winde haben, idealerweise südöstlich. Diese Winde sind (oft) weniger stark als Nordwind und sie ergeben einen schönen Halbwindkurs auf dieser Route. Dazu musste natürlich die Stärke stimmen (unter 30 Knoten) und der Seegang sollte auch moderat sein.

Wir fuhren am 26. April nach Bulandet, die westlichste bewohnte Insel Norwegens, um dort auf geeignete Bedingungen zu warten. Wir lernten die Insel lieben und die Einheimischen uns kennen. Denn wir warteten dort eine ganze Weile. Es gab fast ausschließlich Nordwind, in der Regel Nordwest, meist stark und meist mit Wellen über 3 Meter. Das wollten wir uns nicht antun. Und wie heißt es: Der geduldige Segler hat immer guten Wind. Am 7. Mai mussten wir wegen eines Motorproblems noch mal zurück nach Florø. Danach fuhren wir noch nach Fedje, das wir noch auf unserer Wunschliste hatten.

Ablegen in Fedje

Und dann kam er endlich, unser Südwind, und wir legten am Nationalfeiertag der Norweger, am 17. Mai. Vor dem Ablegen um 7 Uhr ertönte Kanonensalut. Vielleicht wollten uns die Norweger gebührend verabschieden oder sie waren froh, dass wir endlich wieder verschwinden. Um halb 8 legten wir in Fedje ab.

Der versprochene Südwind kam schon gleich zu Beginn eher aus Südost, sodass wir den Kurs anpassen mussten und etwas nördlicher fuhren, um nicht zu hoch am Wind zu segeln. Gegen halb 10 passierten wir die 12-Meilen-Zone. Ein Traumstart mit nahezu glatter See, Sonnenschein und 10 bis 15 Knoten Grundwind. Mit dem einmal gerefften Groß und voller Genua lief TIAMAT wunderbar balanciert mit rund 6 Knoten Fahrt im Schnitt. Gegen Mittag kam die erste Ölplattform in Sicht (Troll A).

Statt südlich vorbei, machten wir einen Bogen nördlich darum. Am späten Nachmittag frischte der Wind auf und wir machten das zweite Reff ins Groß und fuhren mit Fock und Genua im zweiten Reff. Es stellte sich heraus, dass das für die 18 Knoten Grundwind ideal ist. Der Autopilot hatte so gut wie nichts zu tun. Die Øseberg-Plattformen kamen ins Sicht und wir fuhren dazwischen durch. Ursprünglich wollten wir so wenig wie möglich in der Nähe der Plattformen fahren. Es stellte sich aber heraus, dass das durchaus etwas Unterhaltung bringt. Denn ansonsten war das Segeln schnell langweilig.

Eine glücklicherweise ereignislose Nachtfahrt

Abends um 9 passierten wir die letzten Plattformen, Martin Linge. Der Wind hatte zugenommen und der Wellengang auch. Gute anderthalb bis zwei Meter signifikante Wellenhöhe, darunter auch mal ein paar höhere. Tommy war ziemlich müde, sodass wir unseren vereinbarten Wachwechsel alle vier Stunden nicht machten, sondern ich weiter fuhr. Es begann zu regnen. Zum Glück hatten wir die Kuchenbude aufgebaut gelassen. Was am Tag und Sonnenschein auch für angenehme Temperaturen sorgte, trotz 10 Grad Außentemperatur. Nachts war es dann aber echt saukalt. TIAMAT rollte in den Wellen und Tommy wurde ein bisschen seekrank. Gegen 1 Uhr legte ich mich dann für zwei Stunden hin. Langsam begann es am Horizont schon wieder heller zu werden. Zum Glück, denn ich war ziemlich durchgefroren. In der Nacht sah ich noch ein paar Frachter auf dem AIS, aber ansonsten waren wir ganz allein unterwegs. Echt langweilig. Aber auch gut. Für die Nacht war ein begrenztes Regengebiet auf der Vorhersage mit Böen um die 30 Knoten. Das blieb uns zum Glück erspart. Da war langweilig besser.

Morgens halb 10 auf der Nordsee

Am Morgen drehte der Wind dann zu unseren Gunsten und wir konnten mit unserem 60-Grad Amwindkurs jetzt auch Lerwick erreichen und nicht im Norden an Shetland vorbeifahren. Wir überquerten wir dann die 12-Meilen-Zone Großbritanniens. Die Sonne schien wieder und bald flatterte die gelbe Q-Flagge unter der Saling. Wir hatten den sPCR (small pleasure craft report) wie erforderlich vor der Abfahrt im Fedje ausgefüllt und für die Ankunftszeit 15 bis 17 Uhr angegeben. So wie es ausschaute, waren wir pünktlich in Lerwick. Wir sind schließlich Deutsche.

Hinter Bressay holten wir die Segel ein und meldeten uns bei der Port Control auf Kanal 12 an und erhielten die Freigabe, den Small boat harbour am Viktoria Pier anzulaufen. Im Hafen war der frische Wind von Draußen nicht zu spüren und wir ergatterten den letzten Liegeplatz am Schwimmsteg. Puh, das war geschafft.

190 Seemeilen in rund 34 Stunden, davon anderthalb unter Motor um hinter Fedje vorbei auf See zu kommen und für den Bressay sound zum Hafen zu motoren. So muss das sein. Dabei alle drei Segel ungerefft bis alles im zweiten gefahren. Nur der Genacker, der durfte nicht raus.