🧭 Factsheet
Route: Von Lerwick nach Kirkwall
Zeitraum: 18. Mai bis 5. Juni 2026
Logge: 128 Seemeilen
Highlight: Tidennavigations-Kurs
📍 Unsere Route & Etappen
Etappe: Lerwick → Sumburgh (Grutness Voe)


Wir hatten eine schöne Zeit auf den Shetlands. Wir blieben in Lerwick und erkundeten die Inselwelt von dort aus zu Fuß und mit dem Bus. Zu sehr stresste uns die Tatsache, dass der Wind mehr oder weniger ständig aus südlichen Richtungen wehte und wir bis Mitte Juni das Schottische Festland erreicht haben müssen. Sonst hätten wir sicher mit dem Südwind auch noch ein wenig mehr den Norden erkundet. Das heben wir uns für den nächsten Besuch auf.
Lerwick brachte uns auch jede Menge nette und interessante Begegnungen, vor allem mit Martin von der ONWO ONOC und den Kirchbergers, die mit ihrer Belle Epoche schon die ganze Welt besegelt hatten.
Nach einer Woche im Hafen war es aber an der Zeit und wir machten uns auf den Weg zu den Orkneys. Mit Südwestwind um die 20 Knoten und Sonnenschein segelten wir – alleine unter Genua im zweiten Reff – mit in Spitze 7 Knoten die Küste hinunter. Unterwegs dachten wir: Gut, dass wir nicht in einen Hafen müssen. Die Ankerbucht am Flughafen Sumburgh bot uns für die Nacht ausreichenden Schutz vor den Wellen. Windgeschützt ist man da aufgrund der flachen Topografie nicht wirklich. Es war etwas laut von startenden und landenden Flugzeugen und Helikoptern, aber auch spannend. Nachts wurde zum Glück nicht geflogen.

Etappe: Sumburgh (Shetland)→ Whitehall (Orkney)
Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg zu den Orkneys. Geplant war eigentlich ein Zwischenstop auf der wunderschönen Fair Isle, doch dort wurde im Hafenbecken gearbeitet, sodass der ohnehin schon geringe Platz am Pier von den Arbeitsbooten belegt und die fürs Ankern geeignete Bucht eine Baustelle war. So mussten wir also vorbeifahren und gleich die 65 Meilen in einem Rutsch zu den Orkneys segeln. Dafür hatten wir einen (fast) perfekten Tag dafür ausgesucht. Fast, weil der Wind kurz nach dem Start komplett einschlief. Zum Teil waren es nicht mal 5 Knoten, sodass wir den Gedanken an den Gennaker direkt wieder verwarfen. Unterwegs konnten wir Puffins, Basstölpel und Trottellummen beobachten und hatten es sehr gemütlich im Cockpit. Abends kochte ich uns leckere bratfertige Udon Nudeln mit Gemüse und Tofu. Ein wirklich gutes Gericht für unterwegs, das sich auch ohne Vorbereitung schnell zubereiten lässt. Um 9 Uhr abends machten wir – dann natürlich mit den typischen Anlegewind – vor der Küste von Whitehall (Stronsay) an einer der Besucherbojen fest.

Etappe: Whitehall → Pierowall

Nach drei Tagen Sturm, den wir sicher an der gut gewarteten Boje abgewettert haben, wagten wir uns das erste Mal in die tidengeprägte Inselwelt der Orkneyinseln. Wir schauten in die Stromkarten und auf die Tideninfos in Navionics und planten unseren Trip zur Insel Westray. Der Strom sollte die ganze Zeit mitlaufen und uns eine flotte Fahrt bescheren. Als wir in den Eday Sound einbogen, wurde der Strom stärker. Auch darauf waren wir eingestellt.
Vor uns sahen wir in der Ferne brechende Wellen. Wir schauten in die Karte und sahen dort aber keine Untiefen, die das hätten verursachen können. Der Strom schob uns mit um die 4 bis 5 Knoten. Von draußen kam uns die Nordsee mit langem Schwell um die 50 Zentimeter entgegen. Und nur wenige Minuten später lernten wir auf die harte Tour, zu was das Meer und Gezeiten fähig sind. Zum Glück noch in einem eher moderaten Umfang. Der eigentlich harmlose Schwell türmte sich gegen den starken entgegensetzenden Strom an der Engstelle im Lashy Sound zu kurzen, steilen Wellen mit 1,5 bis 2 Metern Höhe auf. Als wir die Welle sahen, konnte ich nur noch schnell nach unten die Rettungswesten holen und wir pickten uns noch schell ein, während Tommy tapfer entgegensteuerte. Ein paar Wellen schlugen über den Bug, aber unsere kleine TIAMAT steckte das weg. Nur wenige Minuten später war alles wieder friedlich. Wow, lessons learned! Wir hätten den Schwell im Leben nicht als problematisch eingeschätzt. Gar nicht auszudenken, was hier los ist, wenn der höher oder der Wind stärker gewesen wäre. Nachdem wir uns wieder sicher fühlten, riefen wir in Pierowall an und hörten, dass in der kleinen Marina genügend Platz ist und wir uns einen Längsseits aussuchen sollen. Gesagt getan.








Etappe: Pierowall → Kirkwall
Nach unserer Lehrstunde in Sachen Tidennavigation wollten wir auf unserer nächsten Tour nichts mehr dem Zufall überlassen. Schließlich führte uns unser Törn nach Kirkwall wieder durch ein paar Engstellen und wir mussten dicht an einigen heiklen Stellen vorbei. Und es war gerade Vollmond, also Springtide mit extra starken Strömungen. Wir warteten sicherheitshalber noch ein paar Tage. Das Wetter passte auch nicht.

Entlang der Küste von Westray hatten wir so gut wie keinen Strom mehr. Leider war der Wind mehr gegenan, als wir annahmen, also mussten die Segel wieder mal eingepackt bleiben. Eine kritische Stelle war der Faray Sound. Hier wollten wir keinen Strom gegen uns haben. Der dreht 1h 45m nach HW Dover. Wir planten also unseren Törn darum herum. Das passte auch mit den Strömungsverhältnissen im Westray Firth, der uns mit moderaten Geschwindigkeiten weiter bis zur Kirkwall Bay tragen sollte. Das klappte alles sehr gut. Am Ende des Faray sounds schob uns der Strom mit 2 kn in den Westray Firth. Nebel kam auf, zum Glück hatten wir trotzdem eine halbe bis eine Seemeile Sicht.
Leider schafften wir es nicht mehr pünktlich zum Hochwasser in Kirkwall einzulaufen, sodass wir einen halben Knoten vom ablaufenden Wasser entgegenfahren mussten. Und natürlich kam wieder Anlegerwind auf, der uns ordentlich auf die Nase blies. Wir funkten Kirkwall Habour an und erhielten das Okay fürs Einlaufen. Einen Liegeplatz hatten wir bereits zugewiesen bekommen. Nach drei Anläufen, die es braucht um einen Langkieler ohne Bugstrahlruder bei Seitenwind in eine Box zu kriegen, lagen wir in Orkneys Hauptstadt.
🗺️ Besondere Erlebnisse & Learnings
- Tidennavigation für Fortgeschrittene: Bisher kannten wir die nur aus dem Wattenmeer. Also eher Grundkurs. Hier landeten wir direkt in der Oberstufe.
⚓ Unser Lieblingsort dieses Törns
- Lerwick
💡 Praktische Tipps für Nachsegler
- Tideninfos: Easytide bietet verlässliche Gezeiten-Daten.
🖼️ Galerie







Unser Trip in Bildern: Von Lerwick zu den Orkney-Inseln

