🧭 Factsheet
Route: Von Inverness nach Port William (Corpach)
Zeitraum: 17. Juni bis 23. Juni 2026
Logge: 60 Meilen
Highlight: Neptun’s Staircase in Batavie
📍 Unsere Route & Etappen
Etappe: Inverness → Gochgarroch

Nachdem wir uns mit unseren Freunden Inverness angeschaut und das Boot mit Essen für die kommenden Tage beladen hatten, machten wir uns am 17. Mai um halb 1 auf den Weg zur Seeschleuse Clachnaharry. Unsere erste Kanaletappe startete etwas ruppig mit Böen um die 25 Knoten und Nieselregen. Draußen unter der Kessock Bridge gab uns das Flutwasser mit 5 Knoten gut Tempo. Bis zum Loch Oich ging es ab jetzt »bergauf«. Nach der ersten Schleuse mussten wir auf die Öffnung der Muirtown Drehbrücke eine Stunde warten und nutzten den Stopp gleich noch um noch ein paar vergessene Sachen im nahegelegenen Co-op einzukaufen. Die kleine Schleusentreppe danach (Muirtown flight) war dann für die Landcrew ziemlich anstrengend, denn der immer noch sehr böige Wind drückte TIAMAT manchmal weg von der Schleusenwand. Wir hatten beim Halten und Ziehen des Bootes in die nächste Schleusenkammer gut zu tun. Als wir am Nachmittag in Gochgarroch ankamen, gab es dort für alle ein leckeres Eis zur Belohnung. Die fünfeinhalb Meilen auf dem Kanal haben uns dann doch fast 5 Stunden beschäftigt. Kanalfahren braucht seine Zeit.
Etappe: Gochgarroch → Fort Augustus

Am nächsten Morgen war der Wind fast eingeschlafen und wir starteten nach einen ausgiebigen Frühstück mit Brötchen, Crumpets und schottischen Oatcakes.
Die nette Schleusenwärterin hat schnell das Stück Rasen am Schleusentor fertiggemäht und brachte uns dann rauf zum Loch Ness. Ein britischer Charterkapitän mit Motorboot war »not amused« über die Verzögerung. Aber wer sich hier über Wartezeiten aufregt, kann den Urlaub direkt abschreiben. Alles läuft etwas langsamer. Und das ist auch gut so. Die gut 20 Meilen über den Loch Ness konnten wir dann leider nur mäßig gut segeln. Hoch am Wind bringt nur alles jenseits der 4 Beaufort TIAMAT halbwegs in Bewegung. Nach dem ersten Drittel und rund 1,5 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit haben wir es aufgegeben.
Am berühmten Uruquart Castle machten wir dann doch keinen Zwischenstopp für ein Kaffeepäuschen, da es zu Nieseln begann. Also nur fix ein paar Fotos und weiter ging es Richtung Fort Augustus. Unterwegs wurden Pläne fürs Abendessen gemacht: Wir wollten frische Pommes im Supermarkt holen und Burger essen. Leider gab es am seeseitigen Pontoon keinen Strom und damit auch keine Airfryer-Pommes. Der Kapitän war am Boden zerstört.

Etappe: Fort Augustus → Invergarry Castle
Nachdem wir wegen Regen und Wind einen Tag in Fort Augustus blieben und statt Bootfahren eine Wanderung entlang des Loch Ness gemacht hatten, ging es weiter zum nächsten See, dem Loch Oich. Als erstes mussten wir die Schleusentreppe (Fort Augustus flight) erklimmen. Statt wieder das Boot an den Leinen von Land aus zu halten, legten wir uns – wie im Göta-Kanal – eine Leine über die Vorderklampe bis zur Winsch im Cockpit. Die konnte Tommy dann gut dichtholen und damit TIAMAT nah an der Schleusenwand halten.
Wir und zwei Charterboote waren die einzigen an dem Morgen in der Schleuse und viele Touristen dort schauten uns zu oder plauderten kurz mit uns. Ein paar Meilen und Schleusen später waren wir im Loch Oich, dem mit 32 m höchsten Punkt im Kanal. Der See ist weniger berühmt, aber wir fanden ihn deutlich schöner als den Ness. Leider zeigte sich uns auch das hier lebende Seeungeheuer nicht.

Für die Nacht hatten wir uns den Pontoon am Schloss Invergarry ausgesucht. Wir hatten Glück und ein Platz für uns war frei. Auch auf dem Oich bliess uns der Wind auf die Nase. Wenn man den Kanal in Westrichtung befährt, hat man selten das Glück auf einen Segeltag. Die 6 Meilen waren in kapp 2 Stunden gefahren und wir hatten noch den ganzen Tag Zeit uns das Schloss die Gegend drumherum anzuschauen.
Etappe: Invergarry Castle → Laggan Locks

Wieder nur ein kleiner Hopps von 3 Meilen lag zum Sommeranfang vor uns. Und nun lieferte Schottland endlich auch mal gescheites Wetter ab: Angenehme Temperaturen, Sonne und kaum Wind. Dazu zog die immer schöner werdende schottische Landschaft vorbei. Wir waren uns einig, dass dieser Abschnitt mit dem sich sanft windenden Kanal und den dicht am Wasser wachsenden Bäumen der bisher schönste war. Vor den Laggan Locks machten wir gegenüber der berühmten Pub-Barge fest und genossen den Sonnenschein und das schöne Sommerwetter im Cockpit und auf einer kurzen Erkundungsrunde am Loch Lochy.

Etappe: Laggan Locks → Banavie
Über den Loch Locky mussten wir wieder zwei Stunden lang motoren. Am Ende ging es durch die Gairlocky Schleuse in den letzten Kanalabschnitt. Auch ein schönes Plätzchen, das sich für eine Pause angeboten hätte, denn wir mussten noch bis zur Schleusenöffnung warten und festmachen. Doch wir wollten direkt weiter und baten die Schleusenwärterin, uns gleich zu schleusen. Die größte Schleusenanlage Großbritanniens, die Neptune’s Staircase, wollten wir uns für den nächsten Tag aufheben. Also machten wir in Banavie vorher fest.

Etappe: Banavie → Corpach
Die Neptun’s staircase – oder offiziell Banavie flight – ist eine der längsten Schleusentreppen Großbritanniens. Die 8 Kammern waren bergab nicht wirklich anstrengend. Andersherum sähe das anders aus, denn aufwärts schleusen ist wesentlich anstrengender. In der letzten Schleuse mussten wir noch eine gefühlte Ewigkeit auf die Eisenbahnbrücken-Öffnung warten. Über diese Brücke fährt der durch die Harry-Potter-Verfilmungen berühmt gewordene Dampfzug »Jacobite train«. Ich hatte gehofft, dass er noch durchfährt, während wir warten. Aber irgendwas, so hörten wir später, war wohl kaputt gewesen und führte zur Verspätung. So kam er ungefähr zur gleichen Zeit in Corpach an wie wir.

Wir fragten beim Schleusenmeister nach, ob wir einen Tag im Vorbecken vor der Seeschleuse Corpach warten können und bekamen das Okay. So mussten wir bei dem starten Südwest-Wind nicht noch auf den Loch Linnhe raus und konnten noch mal einkaufen gehen. Außerdem konnten wir so noch einen Abend den grandiosen Blick auf den Ben Nevis genießen. Die Pause lohnt sich auf jeden Morgen kann TIAMAT dann endlich wieder Salzwasser schmecken.





🗺️ Besondere Erlebnisse & Learnings
- Der kaledonische Kanal stand schon lange auf unserer Wunschliste. Der Weg mit dem Boot über den Great Glen hat sich sehr gelohnt.
- Geburtstag mit Freunden auf der Neptun’s Staircase feiern.
- Auf dem Loch Ness segeln…wenn auch nur kurz.
⚓ Unser Lieblingsort dieses Törns
- Corpach
💡 Praktische Tipps für Nachsegler
- Mit dem vorherrschenden Südwestwind kann man auf der Kanalfahrt von Corpach nach Inverness eher über die Seen segeln als andersherum. Aber die Landschaft wird in der anderen Richtung immer schöner. So hat man das beste zum Schluss und muss die Staircase auch nicht hoch.
- Wer sich in Inverness verproviantieren will, sollte das am besten vom im Kanal liegenden Hafen aus machen. Ein Lidl und ein Co-op liegen gleich daneben. Alternativ kann man auch ein Taxi vom Supermarkt aus nehmen, das einen mit vollen Taschen für nur 12 € zurück zur Marina bringt.
- Die Kanalgebühr hat für unsere 11 Meter rund 350 € gekostet (2026). Im Preis enthalten sind alle Liegeplätze bis auf die Seaport Marina in Inverness. Diese kostet aber nur zusätzlich rund 20 €. Günstig im Vergleich zur Inverness Marina, die mit ihren 51,50 € pro Nacht mit zu den teuersten gehört, die wir bisher besucht haben.
🖼️ Galerie














