Schottland von den Orkney Inseln nach Inverness – Törnbericht Juni 2026

🧭 Factsheet

Route: Von Kirkwall nach Inverness
Zeitraum: 5. Juni bis 15. Juni 2026
Logge: 130 Seemeilen
Highlight: Champagner-Segeln auf der Nordsee


📍 Unsere Route & Etappen

Etappe: Kirkwall → Weddel Sound (Orkney)

Die geplante Überfahrt zum schottischen Festland teilten wir auf. Nicht nur, weil wir arbeiten mussten, sondern auch, weil sich so die Tide besser planen ließ. Schon gleich direkt außerhalb Kirkwall müssen wir durch den „String“, wo die Tide gern schon mal mit 4 Knoten durchgeht. Mit der Erinnerung daran, was passiert, wenn das gegen Schwell von draußen trifft, wollten wir hier einen günstigen Augenblick abpassen. Wir warteten also auf die Zeit kurz vor dem Hochwasser in Kirkwall und verließen dann den Hafen. So waren rund drei Koten Strom im String mit uns und er schob uns dann sanft auch weiter die Küste hinunter Richtung South Ronaldsay. Die markante und spektakuläre Küstenlinie der Insel Copinsay und ihrem Horse of Copinsay wollten wir von der Seeseite aus ansehen, also machten wir noch eine kleine »Sightseeing-Detour«. Angekommen in unserer Ankerbucht im Weddel Sound merkten wir schnell, dass wir hier nicht wirklich ruhig liegen werden. Selbst der fast nicht sichtbare Schwell der Nordsee bei Südostwind ließ TIAMAT pendeln wie ein Metronom. Aber mangels Alternativen und der günstigen Lage nahmen wir das in Kauf. Ist ja nur für eine Nacht.

Etappe: Weddel Sound (Orkney) → Wick

Nach einem kurzen Arbeitstag starteten wir mittags Richtung Festland. Kritischer Punkt war der Strom aus dem berüchtigten Pentland Firth. Hier kann das Wasser in den Meerengen mit bis zu 12 Knoten in Springzeit setzen. Zum Glück hatten wir aber gerade Nipptide. Und selbst bei den Sandy Riddels, einer vorgelagerten Sandbank vor den Pentland Skerries, kann die starke Strömung unangenehme und bei nicht günstigen Bedingungen gerade für kleine Boote sogar gefährliche Wellen verursachen. Unser Törnführer sagte: Lieber großräumig außen herum (ca. 6. Meilen Abstand zu den Skerries) und das taten wir auch.

Bei den Champagner-Bedingungen, die wir an dem Tag hatten, war das zwar eigentlich nicht nötig, aber auch kein Drama. Wir hatten Westwind (also keine Wind-gegen-Strom-Situation) mit sanften 12 Knoten im Schnitt und abgesehen von etwas Regen und der Kälte (12 Grad im Juni!) war es ein toller Segeltag. Mit einem Reff im Groß und beiden Vorsegeln, mit mitlaufendem Strom und fast glattem Wasser rauschten wir südwärts zum schottischen Festland. In Wick wurden wir herzlich schon am Steg begrüßt von Hafenmeister Ian, der uns eine freie Box zeigte und die Leinen annahm. Die Zeit, in der man – wie in Skandinavien üblich – in den Hafen kommt und sich selbst was suchen muss und mit App bezahlt, sind wohl vorbei. In Schottland ist alles sehr persönlich und etwas old-school – aber auf die nette Art.

Etappe: Wick → Inverness

Die letzte große Etappe vorm Kaledonischen Kanal ließ sich nicht gut aufteilen, also nahmen wir uns am Sonntag vorm Urlaub die gesamten 70 Meilen vor. Wir starteten früh morgens knapp vor 6 um das auflaufende Wasser so gut es geht mitzunehmen. Und natürlich auch, um nicht zu spät in Inverness zu sein. Auch der Wind sollte später am Tag nachlassen. Zum frühmorgendlichen Start war es trüb und kalt, dafür hatten wir schöne 12 Knoten von 120 Grad. Damit konnten wir zumindest die Hälfte der Strecke segelnd zurücklegen. Als am Nachmittag die Sonne rauskam, war der Wind weg und wir packten alle Segel ein. Im Moray Firth, kurz nach Wick, sahen wir kurz einen Delphin an uns vorbeiziehen. Leider war ich mit dem Kamera zu langsam. Er hatte es wohl eilig.

Am Chanonry Point, wo oft Delphine zu sehen sind, zeigte sich leider keiner mehr. Dennoch ist diese Landzunge mit dem schönen Leuchtturm sehr malerisch. Mit noch wenig Gegenstrom schafften wir es in die Inverness Marina und fanden gleich einen Liegeplatz. Wir lagen schon lang nicht mehr in einem solch großen Yachthafen. Die Liegegebühren liegen hier noch mal deutlich über den sowieso schon hohen in UK (pro Tag inklusive Strom 52 €). Zwei Tag später starten wir zusammen mit unseren Freunden in die Kanalfahrt.

🗺️ Besondere Erlebnisse & Learnings

  • Der Moray Firth ist berühmt für gute Chancen, Delphine zu sehen. Bei uns war (leider) nur einer ganz kurz, gefreut haben wir uns dennoch sehr.

⚓ Unser Lieblingsort dieses Törns

  • Inverness

💡 Praktische Tipps für Nachsegler

  • Tideninfos: Easytide bietet verlässliche Gezeiten-Daten.
  • Bei westsetzendem Strom und Westwind hatten wir bei rund 5 Stunden vor dem Dover-HW und moderatem Wind keine Probleme mit Eddies oder Kreuzseen bei den Pentland skerries.
  • Von Kirkwall aus empfiehlt sich ein Ausflug mit dem Bus X1 zur berühmten steinzeitlichen Siedlung Skara Brae.
  • Wer sich in Inverness verproviantieren will, sollte das am besten vom im Kanal liegenden Hafen aus machen. Ein Lidl und ein Co-op liegen gleich daneben. Alternativ kann man auch ein Taxi vom Supermarkt aus nehmen, das einen mit vollen Taschen für nur 12 € zurück zur Marina bringt.

🖼️ Galerie

Unser Trip in Bildern: Von Kirkwall nach Inverness