Segeln in den Niederlanden – unsere Tipps für Häfen, Ankern und Leben an Bord

Unser Trip im IJsselmeer und der Waddenzee

  • zwölf Monate
  • 283 Seemeilen
  • 11 Häfen
  • 3 Naturhäfen bzw. Ankerplätze

Segeln in den Niederlanden – insbesondere auf dem IJsselmeer, dem Markermeer und dem Wattenmeer – bietet sowohl erfahrenen Seglern als auch Anfängern ein einzigartiges Erlebnis. Die Niederlande sind bekannt für ihre charmanten Städte und ihre reiche Seefahrtsgeschichte und ein fantastisches Reiseziel für Segler.

Das IJsselmeer, ein großer flacher Binnensee, ist ein beliebtes Segelrevier in den Niederlanden sowohl für Niederländer als auch für Deutsche. Durch den Bau des Afsluitdijk wurde es in den 1930er Jahren von der Nordsee abgetrennt. Mit relativ konstanten Winden, ohne Gezeitenunterschiede und Strömungen sowie vergleichsweise geringem Seegang ist das Segeln auf dem IJsselmeer auch für Anfänger gut geeignet.

Nicht verpassen sollte man das Wattenmeer nördlich des Afsluidijks. Es gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe und ist berühmt für sein einzigartiges Ökosystem, seine reiche Artenvielfalt und seine beeindruckenden Wattflächen. Das Gebiet ist von fünf Inseln zur Nordsee hin geschützt, was auch hier das Segeln angenehm macht. Jede dieser Inseln hat ihre Besonderheiten. Mit dem Boot haben wir drei besucht (Texel, Vlieland und Terschelling). Die beiden anderen (Ameland und Schiermonnigoog) kennen wir nur als Fährboot-Touristen.

Häfen & Marinas

Entlang der Küste des IJsselmeers und Markermeers gibt es überwiegend mittelgroße Häfen und einige ziemlich große Marinas. Die Segelsaison in den Niederlanden beginnt meist um Ostern und endet für die meisten Ende Oktober. Aufgrund der relativ milden Wetterbedingungen kann man jedoch das ganze Jahr über segeln, wenn einem Kälte und Regen nichts ausmachen. Es kommt sehr selten vor, dass das Wasser im IJsselmeer und Markermeer im Winter zufriert.

Die meisten Yachthäfen verfügen über Boxen mit Heckpfählen. In Stadthäfer legt man längsseits an, im Sommer wird in beliebten Orten »gestapelt«, also im Päckchen gelegen. In nahezu jedem Hafen gibt es einen Hafenmeister, den man vor der Einfahrt in den Hafen kontaktieren kann und im Sommer auch sollte. Wer nicht vorher anruft und einen Liegeplatz zugewiesen bekommen hat, muss am Gaststeiger anlegen und sich zum Hafenbüro begeben. Da in den meisten Yachthäfen alle Liegeplätze vermietet und nicht wie in Dänemark als frei oder belegt gekennzeichnet sind, kann man sich den Platz in der Regel nicht selbst aussuchen. Reine Gästeplätze wie in Schweden oder Norwegen sind selten.

Hafengeld und Bezahlung

Die niederländischen Hafengelder sind im Vergleich zu Skandinavien höher, aber noch im Rahmen. Tageslieger zahlen meist um die 2 bis 3 Euro pro Meter »Passantentarief«. Hinzu kommt noch eine »Toeristenbelasting« von rund 2 bis 3 Euro pro Person und Tag. Bleibt man länger als ein paar Tage, lohnt es sich nach Rabatten zu fragen. Richtig günstig wird es ab einem Monat. Wir sind meist einen Monat geblieben und haben so nur einen Bruchteil des gewöhnlich fälligen Liegegelds bezahlt. Die einzigen, die nicht einen Prozent geben, sind die Häfen der Watteninseln. So haben wir auf Terschelling für einen Monat rund 1.100 € Liegegeld bezahlt, da wir auf eine Lieferung und ein gutes Wetterfenster warten mussten. Im Hafenmeisterbüro zahlt man bar oder Karte. Apps für die Abrechnung sind in den Niederlanden seltener.

Informationen über Häfen und Marinas für das Segeln in den Niederlanden

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  • Holland 2 (Delius Klasing): Der Klassiker für das IJsselmeer und den nördlichen Teil der Niederlande. Viele Tourenvorschläge und hilfreiche touristische Informationen machen das Buch zu einem nützlichen Begleiter.
  • Nordseeküste 1 (Delius Klasing): Ein weiteres Buch vom Niederlandekenner jan Werner. Es deckt die Watteninseln ab, auch die deutschen. Es ist also für die Anreise besonders praktisch.

Naturhäfen & Ankerbuchten

Man sieht im IJsselmeer nicht viele Ankerlieger, obwohl man bei der Wassertiefe theoretisch fast überall ankern könnte. Wir kennen drei oder vier gute Ankerplätze, von denen wir während unserer Zeit in den Niederlanden aber nur einen besucht haben. Nicht, weil wir nicht gerne vor Anker liegen, sondern weil unser Boot zu der Zeit noch nicht dafür ausgerüstet war (mangelnde Batteriekapazität und keine funktionierenden Solarpanele). Als Naturhafen kann man im weitesten Sinne den kleinen Hafen in den Marker Wadden (ein künstliches Eiland im Markermeer) bezeichnen. Hier waren wir mehrfach, da diese Inseln einfach zu jeder Jahreszeit wunderbar sind, vor allem im Frühjahr und Sommer, da man dort ausgiebig die Brutvögel beobachten kann.

Wetter & See

Im IJsselmeer und dem Markermeer hat man in der Regel wenig Welle und keinerlei Strömungen. Nur bei Wind über 7 Bf bildet sich je nach Richtung eine kurze steile »Hackwelle«, die sehr ungemütlich sein kann. Das Wetter ist maritim geprägt entsprechend wechselhaft (mitunter regnerisch und windig) ohne große Temperaturextreme.

Wir verwendeten hauptsächlich Windy oder Windfinder. Daneben ist auch das KNMR mit seinem Seefahrtsbericht für die Nordsee und die Binnengewässer hilfreich. Ziemlich gute Infos über Strömungen und Gezeiten im Wattenmeer liefern die Stromatlanten (hier kostenfrei online)

Brücken und Schleusen

In den Niederlanden sind Schleusen und Brücken relativ häufig. Daher sollte man sich über Bedienzeiten und ggf. Sperrungen vor der Fahrt informieren, z. B. bei der niederländischen Behörde Rijkswaterstraat. Hier sind die Informationen am aktuellsten. Die beliebten Handbücher »Wateralmanak 1 bzw. 2« vom ANWB sind zwar auch praktisch, aber natürlich nicht tagesaktuell.

Leben an Bord in den Niederlanden

Geld

Für Europäer nichts besonderes. Hier zahlt man mit Euro.

Lebensmitteleinkauf

In den Niederlanden gibt es zwei große Supermärkte: Jumbo und Albert Heijn. Daneben noch deutsche wie Aldi und Lidl, wenn auch mit anderem Sortiment. Wer wie wir länger in den Niederlanden ist, wird bald seinen Favorit finden. Wir waren meist im Albert Heijn einkaufen. Auch, weil wir deren App verwendeten und so nicht nur super Angebote erhielten, sondern auch Geld sparen konnten (mit einer Art Zins auf den Einkaufswert). Die Auswahl an Produkten ist sehr groß. Es gibt zahlreiche gute Fertigprodukte und eine hochwertige Auswahl an Obst und Gemüse.

Mobiles Internet & WLAN

Für einen längeren Aufenthalt ist es empfehlenswert, sich eine niederländische Simkarte zu besorgen. Die niederländischen Tarife sind sehr günstig im Vergleich zu den deutschen. Wir waren bei KPN und erhielten – anders als in Skandinavien – auch ohne Niederländer zu sein eine Flatrate im Abo. Das einzige, was wir brauchten war eine niederländische Adresse. Das war unser Heimathafen. Die Flat kostete 2022 rund 35 Euro. In den Häfen wird auch WiFi angeboten, damit kann man aber vor allem in der Hochsaison nichts anfangen.

Wäsche

Waschmaschinen und Trockner sind in den Häfen Standard, aber nur sehr selten (z. B. in den Häfen der Watteninseln) im Preis inklusive. Sonst zahlt man für einmal waschen um die 5 und den Trockner 2 Euro.

Abwasser & Diesel

Entleerungsstationen für Schwarzwassertanks gibt es rund um das IJsselmeer und die Watteninseln ein paar. Dennoch nicht so viele, wie es eigentlich sein sollten, da das Einleiten von Abwässern strikt verboten ist. Wir haben eine Trenntoilette und keinen Tank, sodass wir hier zum Glück unabhängiger sind.

Tankstellen gibt es in jedem größeren Yachthafen. In Städten kann man auch an der nächsten Autotankstelle Diesel holen, wenn nötig. Nach Möglichkeit aber einen Dieselschutz gegen Biofilm hinzufügen, denn oft wird Biodiesel verkauft.

Unsere Lieblings-Häfen und Ankerplätze in Holland

Auf unserer Reise einmal rund ums IJsselmeer, Friesland (Friese Meren) und die westfriesischen Inseln waren diese Häfen und Ankerbuchten unsere Highlights.

Häfen

  • Volendam (Marina) Die große Marina ist sehr gut organisiert und verfügt über sehr moderne und supersaubere Duschen und WCs. Auch die Maschinen zum Wäschewaschen und -trocknen waren topp. Eine Tankstelle befindet sich in der Nähe. Der Nachteil ist, dass es ein Stück zu Fuß bis zum Zentrum von Volendam ist. Für uns war das aber ein Pluspunkt, da der Stadthafen vor allem in der Ferienzeit und am Wochenende ziemlich trubelig ist. Mit dem Bus ist man in 15 Minuten in Amsterdam. Bei Ostwind ungemütlich.
  • Enkhuizen (Compagnieshaven) Sehr freundliches und hilfsbereites Hafenteam und ein gut sortierter Bootsausrüster machten diesen Yachthafen zu einem unserer Favoriten. Er liegt auch in der Nähe eines schönen Strandes und einer guten Laufstrecke.
  • Terschelling Teuer (93 Ct. pro Tag und m2 zzgl. 2,16 € Kurtaxe), aber jeden Euro wert, zumindest in der Nebensaison, wenn es ruhig ist. Dafür kann man kostenlos waschen und die Sanitäranlagen sind okay. Vor der Anreise kann man sich online über die Auslastung dieses und der anderen Wattenhäfen informieren. Außerdem sind die Abfahrtszeiten angegeben, nach denen man sich richten kann, um die Gezeit gut zu timen.

Naturhäfen & Ankerplätze

  • Nördlich der Deko-Marina (052° 32.281′ N / 005° 26.851′ E) gibt es abseits des Fahrwassers eine Ankerbucht. Selbst bei Westwinden hat man hier durch den Markermeerdijk wenig Welle. Und die vorbeifahrenden Tanker machen auch nicht allzu viel Schwell.
  • Langehoekspôlle (052° 56.944′ N / 005° 32.771′ E) eine kleine Insel in den friesischen Binnengewässern (De Fluezen). Hier gibt es nichts außer Ruhe und Natur. Und Poller zum Festmachen. Hier kann man bis zu drei Tage kostenfrei liegen.
  • Marker Wadden (052° 35.011′ N / 005° 22.048′ E) Wunderschöne Inselwelt mit einem kleinen Naturhafen und mehreren Ankerplätzen ringsherum. Es gibt weder Strom noch Wasseranschlüsse am Steg, aber ein Toiletten- und Duschhäuschen.

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