Schottland, Nordirland, Wales und Cornwall
Unser Trip
- 4 Monate
- rund 960 Seemeilen
- 22 Häfen
- 13 Naturhäfen und Ankerbuchten
Häfen & Marinas

Im Vereinigten Königreich sind die Häfen meist professionell geführt und im nordeuropäischen Vergleich recht teuer. Die Saison startet – so unsere Erfahrung – erst so richtig im Juni, zumindest in Schottland. Viele Marinas bieten ganzjährig, also auch im Herbst und Winter zumindest eine Grundversorgung. Da die gesamte Küste von Gezeiten beeinflusst wird, sind in vielen Häfen Schwimmstege zum Anlegen vorhanden. Gerade in den kleinen Stadthäfen im Süden kann man dagegen oft nur an der Kaimauer festmachen und Päckchenliegen ist angesagt. Auch Mooringbojen, meist kostenpflichtig, sind vor vielen Häfen vorhanden.

In der Regel meldet man sich vor der Einfahrt in den Hafen beim Hafenmeister (Funk oder Telefon) an und bekommt einen Liegeplatz zugewiesen. Die Büros sind in der Hochsaison häufig lange, wenn nicht sogar rund um die Uhr besetzt. Oft wird man sogar am Steg begrüßt und beim Anlagen geholfen. Vor vielen Häfen gibt es oft auch Ankerplätze bzw. Mooringfelder, falls der Hafen voll ist.
Einige Häfen sind Tidenhäfen, können also nur zu bestimmten Zeiten rund um das Hochwasser angelaufen werden. Die übrige Zeit sind Schleusen oder Flapgates (Hochwassertore) geschlossen und so ist auch bei fallendem Wasser ausreichend Tiefe im Hafen zu gewährleisten. Auf unserer Reise war Peel (Isle of Man) der erste Tidenhafen. Weiter Richtung Süden wurden diese häufiger. Häfen zum Trockenfallen sind für uns leider nichts. Das haben wir in Cornwall machmal bedauert, denn dort waren die schönsten Häfen zu Ebbe trocken oder sehr flach.

Hafengeld und Bezahlung
Die Hafengelder erscheinen – zumindest wenn man aus Richtung Skandinavien oder Deutschland kommt – sehr teuer. Das erste Mal waren wir froh, dass unser Boot nicht so groß ist. Statt Pauschalpreisen oder größenabhängigen Preiskategorien werden in UK in der Regel Meterpreise verlangt. Meist waren es zwischen £3.50 und £4.00 pro Meter. Dazu kommt häufig noch eine Strompauschale von £4.00 pro Tag. Auch das Bezahlen von Duschen ist (zumindest in Schottland) gängig. Dass man dafür Pfundmünzen in antik aussehende Automaten werfen muss, war für uns nach dem bargeldlosen Leben in Norwegen und Schweden ein kleiner Kulturschock.
Informationen über Häfen und das Segeln in UK
- Reeds Das Standard-Werk, wenn man in UK unterwegs ist. Wir fanden besonders die Strömungskarten hilfreich. Gezeiten- und Hafeninfos haben wir meist online nachgeschaut. Wir würden uns daher die nächste Ausgabe nicht kaufen. Zu unhandlich und teuer (für die Menge an Infos, die man tatsächlich nutzt). Die allgemein wichtigen Infos (u. a. Strömungskarten oder Hafenpläne) sind aus unserer Sicht mehrjährig nutzbar.
- Cruising Guides des CCC hatten wir für Schottland (Shetland, Orkneys und Hebriden) gekauft. Die Ausgaben sind jeweils sehr detailliert und decken nur kleine Gebiete ab. Sicherlich das Beste an Revierführern, was man bekommen kann.
- Absolute Tide Tidenapps gibt es zahlreiche. Wir fanden die sehr praktisch, da nicht nur Hoch- und Niedrigwasserzeiten ausgegeben werden, sonder auch die Strömungsdaten aus dem Reeds den richtigen Tageszeiten zugeordnet werden. Das spart so einiges an Zeit bei der Törnplanung. Und die 2,99€ für ein Kalenderjahr sind dafür absolut vertretbar.
Ankerbuchten
Neben des recht zahlreichen Marinas und Häfen bietet die wunderschöne Küstenlandschaft der britischen Inseln auch jede Menge Ankerbuchten. Häufig ist guter Ankergrund zu finden. Durch den Tidenhub, der je nach Gebiet deutlich ausfallen kann, muss man ein bisschen mehr rechnen, als z. B. in der Ostsee. Da die Briten gern vor Anker liegen, sorgt nicht nur in Häfen frühes Kommen die für die besten Plätze. In einer sehr beliebten Ankerbucht in Schottland zählten wir an manchen Tagen mehr als 12 Boote.

Wetter & See

Für uns waren die starken Gezeitenströme fast eine größere Herausforderung als Wind und Wellen. Wir hatten den gesamten Sommer und auch zu Beginn des Herbstes wenig bis mittelstarke Winde, keine Stürme.
In Schottland war von Mai bis Juli eher durchwachsenes Wetter. Temperaturen im unteren zweistelligen Bereich, viel Regen, wenig Sonne. Ab Ende Juli wurde es besser, mit weniger Regentagen. In Wales und Cornwall hatten wir sogar im September noch angenehme Temperaturen und Sonne satt.
Leben an Bord in UK
Geld
Das englische Pfund notierte 2026 leicht über dem Euro, sodass die Preise umgerechnet in Euro immer ungefähr 10% höher waren. Das Hafengeld bezahlt man beim Hafenbüro, entweder bar oder mit Karte. Für schottische Häfen haben wir aber auch ziemlich viel Bargeld gebraucht (v. a. Münzen), für Duschen und Waschmaschinen/Trockner. In allen anderen Teilen UKs war das glücklicherweise nicht mehr üblich.
Für die Bezahlung mit Banktransfer, die im Nicht-EU-Raum schnell teuer werden kann, nutzen den Bezahldienst Wise, mit dem ein Transfer nur 1-2 € kostet.

Lebensmitteleinkauf
Supermärkte gibt es mehrere größere (Tesco, Sainsbury’s Co-op, Lidl), manchmal auch kleinere Lebensmittelläden. Uns hat die Auswahl und das Angebot bei Tesco meist am besten gefallen. In den großen Tesco Superstores gibt es auch ein riesiges Non-Food Angebot (Kleidung, Deko, Werkzeug). Alkohol gibt es in den Supermärkten ebenfalls in großer Auswahl.
Der geringere Preis bzw. die kleinere Zahl verleitet zu Spontankäufen. Ein Blick auf die Bankabrechnung zeigt aber: Die Preise sind teurer als auf dem Festland, dafür aber günstiger im Vergleich zu Skandinavien.
Mobiles Internet & WLAN
Die Netzabdeckung und die Datenübertragungsraten sind mehr als dürftig. Vier Balken 5G wird man selbst in Großstädten nicht im mobilen Netz haben. Und auch mit englischen Simkarten wird es nicht besser, bestätigten uns Briten. Es liegt also nicht am Roaming. Glücklicherweise gehört für unsere deutschen Provider (Telekom, Congster) UK weiterhin zur EU und es fallen keine Sonderkosten an.
Unsere Prepaid-Karten mit limitiertem Datenvolumen konnten wir uneingeschränkt in vollem Umfang nutzen. Nur unsere schwedische Telenor-Karte funktionierte nicht mehr. Für die ist der Brexit vollzogen. Viele Briten nutzen Starlink. Wir verzichten weiterhin darauf.
Abwasser & Diesel
Absauganlagen für Schwarzwassertanks haben wir in UK selten gesehen. Da wir diese mit unserer Komposttoilette nicht brauchen, war das aber kein Problem.
Die Dieselpreise lagen während unserer Reise bei etwa £1,90 pro Liter, also rund 2 €. Als Freizeitboot darf man in UK gefärbten Diesel tanken. Die Besteuerung erfolgt automatisch 60/40 für den Antrieb bzw. das Heizen (Propulsion/Domestic). Die Quittungen dafür heben wir auf, falls das mal in einem anderen Land zu Nachfragen führt. Wir haben gehört, dass es nicht erlaubt ist, diesen Diesel in Kanistern mitzunehmen. Da das für uns ein Sicherheitsaspekt ist, haben wir trotzdem mindestes einen dabeigehabt.
Einreise-Formalitäten

Deutsche brauchen als EU-Bürger im Vereinigten Königreich für einen touristischen Aufenthalt in der Regel kein Visum. Eine sog. ETA ist (meistens) ausreichend. Wir haben die über die ETA App beantragt und nach einer kurzen Bearbeitungszeit ausgestellt bekommen. Kostenpunkt 2026 £20. Damit darf man sich bis zu 180 Tage in UK aufhalten. Ob die 180 Tage bei wiederholter, unterjähriger Einreise erneut zu laufen beginnen, konnten wir nicht abschließend klären. Zusätzlich braucht man einen gültigen Reisepass für die Dauer des Aufenthalts.
Für die Einreise mit einem Sportboot benötigt man außerdem noch einen Small Pleasure Craft Report (sPCR). Die muss man spätestens zwei Stunden vor der Abfahrt absenden und erhält dann persönlich, telefonisch oder per Mail die Freigabe nach der Ankunft. Eigentlich ein ganz unkompliziertes System.
Als wir in Lerwick ankamen, haben wir einen Anruf erhalten und konnten die Q-Flagge runternehmen. Nach der Wiedereinreise in Wales (von Irland aus) kam nichts. Bei der Nachfrage unter der für der Region angegebenen Telefonnummer wusste man wenig mit unserem Anliegen anzufangen. Nach einem ungefähr 20-minütigen Telefonat hatten wir unsere Einreise erledigt. Wir wissen bis heute nicht, warum das so ein Problem war. Laut der Webseite muss trotz der Common Travel Area (CTA) zwischen Irland und UK von Ausländern eine sPCR ausgefüllt werden. Nur bei Reisen zwischen Nordirland, Isle of Man und Großbrittanien braucht es keine.
Wichtig: Auch für die Ausreise muss man eine sPCR ausfüllen.
Unsere Lieblings-Häfen und Ankerplätze in UK
Häfen
- Padstow (Cornwall)
Ein hübscher kleiner Hafen mitten in der Stadt. Umgeben von Geschäften, Pubs und Restaurants. Aus unserer Sicht ist so ein Platz der beste. Zudem waren die Sanitäranlagen topp und der Preis für UK-Verhältnisse okay. Für eine Woche zahlten wir £165 für unsere 11 m. - Rathlin Church Bay (Nordirland)
Kleiner Hafen an der rauen Insel Rathlin. Drum herum starke Strömungen mit Overfalls. Drinnen liegt man sehr gut geschützt. Die Sanitäranlagen sind ein wenig unterm Standard, aber irgendwie passt es zusammen. Preislich mit £32 für 11 Meter auch im Rahmen. Die Ankerbucht davor hatte uns zu viel Schwell. - Kerrera Marina (Schottland)
Die Marina war eigentlich unser Ausweichhafen, da man in Oban nur 3 Tage liegen darf. Wie sich herausstellte, war sie nicht nur günstiger, sondern auch von einem sehr netten hilfsbereiten Hafenteam gemanagt. Bleibt man eine Woche bekommt man die zum Preis von 5 Tagen (£3,40 pro Meter plus £3 Strompauschale).



Naturhäfen & Ankerplätze
- Port Ellen Anchorage (055° 37.757′ N / 006° 11.670′ W)
Schöne offene Bucht mit glasklarem Wasser und Traumstrand. Mit dem Dinghy ist man schnell in Port Ellen, um etwas einzukaufen. Der Duft einer der vielen Whiskey Brennereien auf Islay gehörte irgendwie dazu. - Twin beaches of Gigha (055° 43.461′ N / 005° 44.026′ W)
Leider konnten wir hier nur einen Tag bleiben, da später kein Wind mehr für die Überfahrt nach Islay blieb. Ebenfalls ein herrliches Fleckchen und praktisch, da es einen Nord- und einen Südstrand gibt. beide gleich schön. - Invergarry Castle (057° 04.006′ N / 004° 46.620′ W)
Ankerbucht und ein Steg direkt an der Burgruine. Für uns nach den trubeligen Schleusentagen genau richtig.



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