🧭 Factsheet
Route: Von Newlyn nach Vannes
Zeitraum: 4. bis 20. Oktober 2026
Logge: 173 Seemeilen
Highlight: Mit 10 Knoten SOG durch den Raz de Sein.
📍 Unsere Route & Etappen
Etappe: L’Aber Wrac’h → Brest

Frankreich lieferte uns gleich zu Beginn den schönsten Segeltag seit gefühlten Ewigkeiten. Erst mal mussten wir von L’Aber Wrac’h aus die Flussmündung bei dichtem Nebel heraus motoren. Aber direkt an der Küste war hinter der Nebelwand strahlend blauer Himmel und perfekter 15-Knoten-Nordost ohne Welle.
Wir segelten erst einen noch angenehmen Halbwind-Kurs, dann ging’s im Schmetterling durch den Chenal du Four und schließlich mit 30 Grad am Wind fast bis in die Rade de Brest hinein. Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir unseren Zielhafen Marina du Château. Zum Glück hatte ich uns unterwegs noch einen Liegeplatz reserviert, denn der Besucherpontoon war voll.

Eine Woche wollten wir mindestens bleiben. Zum einen wollten uns Brest in Ruhe anschauen und dann waren auch ein wenig Hausarbeit überfällig. Die Liegegebühren in Brest in der Nebensaison (19 € pro Tag für 11 Meter) waren eine Wohltat für unsere Reisekasse. Und auch das neue Sanitärgebäude fühlte sich nach dem etwas rauen Standard von Newlyn wie ein Spa an. Also keine Eile.
Etappe: Brest → Camaret-sur-Mer
Um auf der nächsten größeren Etappe am Wochenende einen günstigen Start zu haben, segelten wir am Donnerstag schon einmal aus der Rade de Brest raus nach Camaret-sur-Mer. Mit dem ablaufenden Wasser hatten wir mehr oder weniger die ganze Strecke über mitlaufenden Strom. Leider jedoch Wind von vorn. Der Kapitän weigerte sich, meinem Wunsch nach einem schönen Kreuzkurs nachzukommen und der Motor blieb an. Das trübe Wetter und der recht kalte Wind verlockte aber auch nicht wirklich zu ein paar Extrastunden auf dem Wasser.
Etappe: Camaret-sur-Mer → Lesconil
Zu unserem Start am Samstagmorgen ging es über das Mer d’Iroise zunächst zum Raz de Sein. Wieder ein absolut berüchtigtes Stück Gewässer, das am besten zu Stillwasser zu befahren ist. Aber mit diesem Zeitfenster hätten wir die 50 Meilen nicht mit Tageslicht geschafft. Also ließen wir uns vom frischen Nordostwind und mit folgendem Strom (Brest HW +4) durch die Enge pusten. Da Nipptide war, alles machbar und keine gefährlichen Overfalls. Zum Teil standen jedoch knapp 10 Knoten auf der GPS-Logge.

Der Wind frischte später noch ein bisschen mehr auf und drehte weiter östlich, sodass wir statt des erwarteten Halbwind-Kurses ziemlich hoch an den Wind mussten. Einmal um das Kap Penmarc’h herum, mussten wir den Motor anmachen und den Rest des Weges Gegenan fahren. Im Hafen von Lesconil war genug Platz, also blieben wir hier statt draußen zu ankern.
Etappe: Lesconil → Quiberon
Mit Blick auf die Wetterkarte und den schon ersten vorhergesagten Herbststürmen im Anmarsch entschieden wir uns auf der Fahrt nach Lesconil dafür, direkt bis Vannes an dem Wochenende durchzuziehen. Für den Sonntag stand also gleich noch einmal ein ganztägiger Törn an: 54 Meilen bis Quiberon. Es war wieder Nordostwind (eher NNE) angesagt, mit angenehmen 15 Knoten.

Anfangs mussten wir erstmal noch motoren. Unser Weg führte uns zwischen dem Glénan Archipel und der Île aux Moutons hindurch. Zum Glück war die Sonne bereits aufgegangen. Wir mussten unzählige Netze umfahren. Absolut unmöglich, hier im Dunkeln heil durchzukommen. Nach einer halben Stunde konnten wir den Motor ausmachen und unseren vorletzten Schlag vor dem Winterquartier so richtig genießen. Bei glatter See und teilweise Rumpfgeschwindigkeit glitt unsere TIAMAT durch die Wellen. Das ganze bei herrlichem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen.
Später am Pointe du Conguel, der Südspitze der Halbinsel Quiberon, mussten wir gegen Wind und Welle durch die schmale Stelle hindurch. Das war etwas rocky, aber auch schnell überstanden. Rechtzeitig vor dem Regen machten wir am letzten Platz des Besuchersteges fest, der direkt gegenüber der Hafeneinfahrt liegt. Das nächste Mal, wenn wir hier herkommen, versuchen wir lieber einen Platz im inneren Hafenbecken zu ergattern. Der Weg zu Duschen und Toiletten ist einfach zu weit und bei Nordwind steht zu viel Schwell in der Einfahrt.
Etappe: Quiberon → Vannes

An einem Dienstag nach der Arbeit machten wir uns auf die letzte Etappe 2026. Noch mal 18 Meilen, quer über die Bucht von Quiberon und durch den Golfe du Morbihan.
Trotz des Wochentages war einiges los in der Bucht. Viele Surfschulen waren am Start (vermutlich haben die Herbstferien in Frankreich schon angefangen) und auch nicht wenige Segler waren unterwegs. Wir segelten bei schwachem Wind noch ungefähr eine Stunde, es war eher ein schnelleres Rumstehen. Mehr als maximal 3 Knoten ließ sich nicht rausholen. Dafür hätten wir wohl das Groß gebraucht. Aber wir waren mal wieder zu faul, das auszupacken.

Der Golf von Morbihan ist ein herrliches, wenn auch anspruchsvolles Gewässer. Wir waren zur Nippzeit unterwegs und hatten an manchen Stellen 3 bis 4 Knoten Strom, zum Glück mit uns. Für die Fahrt nach Vannes ist es sinnvoll ungefähr eine halbe Stunde vor dem Hochwasser von Port-Navalo in den Golf einzufahren. Dann hat man noch bis Vannes das auflaufende Wasser mit sich (HW Vannes ist ungefähr 2 Stunden später). Der Hafen ist ebenfalls ein Tidenhafen. Die Öffnungszeiten der Klappbrücke und des Hochwassertors richten sich nach den Hochwasserzeiten und den Öffnungszeiten des Hafenmeisterbüros.




🗺️ Besondere Erlebnisse & Learnings
- Das Segeln durch den Raz de Sein war mit gutem Timing sehr angenehm.
- In Vannes festgemacht, über das wir mit unseren schwedischen Nachbarn im Winter 2024/25 so oft gesprochen hatten. Leider haben sie sich entschieden, den Winter in La Rochelle zu verbringen.
⚓ Unser Lieblingsort dieses Törns
- Camaret-sur-Mer
💡 Praktische Tipps für Nachsegler
- Auf den Seiten des französischen Shom kann man sehr komfortabel Tideninformationen für zahlreiche Häfen nachschlagen.
- Die Shom-Strömungskarten fanden wir nicht so gut, also hat Tommy uns aus den frei verfügbaren Daten eine App für die Törnplanung in Frankreich programmiert.
- Das Widget vom Hafen Vannes zeigt die Öffnungszeiten des Hafenbeckens an.
🖼️ Galerie












