Von Wales nach Cornwall – September 2026

Auf geht’s nach Cornwall. Die schroffen Klippen, die wunderschönen Sandstrände und die süßen kleinen Hafenstädtchen sind wirklich eine Reise wert.

🧭 Factsheet

Route: Von Milford Haven nach Newlyn
Zeitraum: 9. bis 21. September 2026
Logge: 147 Seemeilen
Highlight: Sternenhimmel bei Neumond mitten auf dem Bristol Channel.


📍 Unsere Route & Etappen

Etappe: Milford Haven → Dale

Lange haben wir in Milford Haven auf ein geeignetes Wetterfenster gewartet, um entweder auf die Scilly Islands oder direkt um Land’s End an die Südküste zu kommen. Doch im September sind die Bedingungen nicht mehr so stabil wie den Hochsommer über. Es gab immer günstigen Wind für einen Tag, nie zwei. Doch zwei Tage stabiles Wetter hätten wir für die rund 120 Meilen gebraucht.

Zusammen mit den Einschränkungen durch die Tide für das Umrunden von Land’s End bzw. Tages-/Nachtzeiten schwierig: Wir wollten weder im Dunkeln um Land’s End noch auf den Scillies ankommen. Überall vor der britischen Küste liegen Netze und Krabbenpötte, die man besser nicht im Propeller hat, schon gar nicht nachts.

Also planten wir ein, was wir lange nicht wollten: Einen Stop in Padstow. Dafür verlegten wir uns zur Free Flow Schleusenöffnung nach dem Hochwasser in Milford Haven in die Ankerbucht vor Dale. Das liegt kurz vor dem Ausgang der Milford Bay und spart uns am nächsten Tag eine Stunde Fahrzeit. Um noch zwei nette Abende mit unseren neuen Freunden von der Trotamar4 verbringen zu können, legten wir uns gemeinsam an den Tiefwasser-Pontoon in der Ankerbucht. Das war ein Fehler, wie sich herausstellte. Denn selbst bei Nordwestwind bog teilweise so viel schwell in die Bucht ein, dass ein ruhiges Liegen unmöglich war.

Etappe: Dale → Padstow

Nach zwei Tagen konnten wir endlich nach Padstow aufbrechen. Der Hafen erschien uns zunächst durch seine Lage im Camel River schwierig anzulaufen. Es stellte sich heraus, dass das aber mit dem richtigen Timing selbst zur Springzeit kein Problem ist. Wir starteten den 75 Meilen Törn kurz vorm Nachmittagshochwasser um halb drei und planten mit rund 16 Stunden zum Morgengrauen anzukommen. Das Hochwasser in Padstow war morgens um sieben, sollte also passen.

Anders als gedacht, bekamen wir nachts guten Wind und Tiamat flog über den Bristol Channel. Am Schluss mussten wir reffen, um langsamer zu werden und warteten in der Padstow Bay auf das Tageslicht. Der Hafenmeister begrüßte uns herzlich und ließ uns nach einer kurzen Wartezeit in den Hafen. An der Kade hatten wir sogar noch einen Platz ganz für uns allein.

Etappe: Padstow → St. Ives

Eine Woche später zur Nipptide standen wir vor der Wahl: Entweder am Samstagvormittag aus dem Hafen fahren (und draußen ankern, da zu schlechtes Wetter) oder für zwei weitere Tage in Padstow bleiben. Zur Nipptide waren die Hochwasserstände für eine Toröffnung nicht hoch genug, sodass das Tidal Gate geschlossen blieb.

Das war uns zu lang. Wir wollten das Wetter der kommenden Tage nutzen. Ich ging noch mal kurz zum Tesco Supermarkt, um Brot zu kaufen und um 11 Uhr »schmiss« das Hafenteam uns und noch fünf andere Boote in Rekordzeit aus dem Hafen. Der Ankertag war regnerisch, so blieben wir auf dem Boot und ließen es uns gut gehen. Am Sonntag ging es bei Sonnenschein aber leider ohne Wind nach St. Ives bzw. die Carbis Bay.

Etappe: St. Ives → Newlyn

Nach einer schaukeligen Nacht – die Carbis Bay ist berüchtigt für ziemlich viel Schwell auch bei wenig Wind – starten wir zum Hochwasser Dover in der Früh, um den empfohlenen Zeitpunkt für die Runnel Stones (ca. HW Dover +5) abzupassen. Ein Blick aus dem Fenster brachte erstmal Ernüchterung: Es war neblig, also werden wir wohl nicht die innere Route zwischen Kap und Longships nehmen können, sondern großzügig außen herum fahren. Blöd, denn so bekamen wir noch viel der Gegenströmung ab. Aber bei dem Wetter wollten wir das nicht riskieren. Denn natürlich war es auch nahezu windstill. Wir sahen nicht viel von dem phantastischen Küstenabschnitt, aber wir kamen bei schönstem Sonnenschein in Newlyn an.

🗺️ Besondere Erlebnisse & Learnings

  • Durch die sternenklare Nacht über den Bristol Channel rauschen und Sternschnuppen zählen.
  • Zwei nette Abende im Pub mit einem bunt gemischten Segler-Stammtisch aus Briten, Deutschen, einem Neuseeländer, einer Venezolanerin, einer Portugiesin. Einfach immer wieder toll diese Begegnungen unterwegs.
  • Land’s End bzw. Cape Cornwall umrundet

⚓ Unser Lieblingsort dieses Törns

  • Padstow

💡 Praktische Tipps für Nachsegler

  • Die App »Absolute tides« bietet neben den klassischen Gezeitentafel auch die Reeds-Strömungskarten mit den korrekten Tageszeiten. Das Feature hat uns nervige Workarounds mit Klebezettel im Almanach erspart.
  • Die Küste von Cornwall ist wunderschön aber hat ein Manko: Entlang der Nordküste gibt es nicht wirklich viele Häfen mit ausreichend Tiefe und geschützte Ankerbuchten sind durch die Südwestlage bei Schwell vom Atlantik und/oder Nordwind quasi nicht vorhanden.
  • Cornwall muss man daher leider ein wenig mehr von Land aus erkunden. Dafür ist das Busnetz wie gemacht. Mit einem Tagesticket (£10, kaufbar in der App) kann man von morgens bis 3 Uhr nachts unbegrenzt auf allen Linien fahren.

🖼️ Galerie